Träume

Sie verstehen, was Lacan meint!? Träume müssen auf jeden Fall unrealistisch sein, denn in dem Augenblick, in der Sekunde, in der man bekommt, was man sucht, will und kann man es nicht mehr wollen. Damit man weiterhin existieren kann, sollten die Objekte der Begierde immerwährend abwesend sein. Es ist nicht das Es, das man will, sondern der Traum vom Es. Also unterstützt die Begierde Träume, die verrückt sind. Das meint Pascal, wenn er sagt, dass wir nur wirklich glücklich sind, wenn wir das zukünftige Glück in Tagträumen erleben. Oder wenn wir sagen: Die Jagd ist schöner als das Töten. Oder: Pass auf, was du dir wünscht! Nicht weil man es bekommen könnte, sondern weil man dazu verdammt wäre, es nicht mehr haben zu wollen, wenn man es hätte. Lacans Lehre besagt also, dass man nie glücklich wird, wenn man nach seinen Bedürfnissen leben will. Wahrhaft Mensch zu sein bedeutet, sich zu bemühen, ein Leben zu führen, dass sich nach Ideen und Idealen richtet, und es nicht danach zu bemessen, was man erreicht hat in Bezug auf seine Begierde sondern in Bezug auf die kurzen Momente der Integrität, des Mitgefühls, der Vernunft, ja, sogar der Selbstaufopferung. Weil wir letztlich nur die Möglichkeit haben, die Bedeutung unseres eigenen Lebens anhand unserer Wertschätzung des Lebens anderer zu bemessen.

„Das Leben des  David Gale“

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