Welcher griechische Philosoph lebte in einem Fass?

Diogenes von Sinope (griech.: Διογένης ὁ Σινωπεύς Diogenēs ho Sinōpeus; * um 400 v. Chr. in Sinope; † 324/323 v. Chr. in Korinth) war ein griechischer Philosoph und wird mit seinem Lehrer Antisthenes als der Begründer des Kynismus bezeichnet. Über den historischen Diogenes sind kaum gesicherte Daten erhalten. Fast alle Informationen wurden in Form von Anekdoten überliefert, deren Wahrheitsgehalt Gegenstand wissenschaftlicher Spekulationen ist.

Die Epoche des Diogenes

Diogenes von Sinope lebte in der Zeit des Übergangs in die Epoche des Hellenismus. Die massiven Veränderungen dieser Zeit zeigten sich in der Auflösung der politischen Systeme der Stadtstaaten (Poleis) und einer damit einhergehenden Veränderung des Welt- und Menschenbildes der Griechen. Peter Sloterdijk beschreibt die Situation so:

„Wer nicht blind ist, muss erkennen, daß ein neues Ethos, eine neue Anthropologie fällig geworden sind; man ist nicht mehr engstirniger Bürger einer zufälligen Stadtgemeinschaft, sondern muß sich als Individuum in einem erweiterten Kosmos begreifen.“

– Peter Sloterdijk: Kritik der zynischen Vernunft.

Grundsätzliches

Trotz der schwierigen Überlieferungsgeschichte zeigen sich in den Anekdoten über Diogenes immer wieder die Kerngedanken seiner philosophischen Theorie bezüglich seiner Praxis des Guten Lebens. Mit dieser philosophischen Schwerpunktsetzung auf das Thema des Guten Lebens steht er in der Tradition der antiken Ethik, wobei er einige Gegenstände der ethischen Diskussion radikal und anders bewertet. Die ethische Theorie des Diogenes muss jedoch im Zusammenhang der gesellschaftlichen Umbrüche seiner Zeit gesehen werden, umso mehr, da er seine Überzeugungen als Aktionsphilosophie präsentierte.

Er gilt als Verächter der Kultur und wirkte in seiner Philosophie mehr durch den praktischen Vollzug als durch Lehren. Zumindest sind heute keine seiner Schriften mehr bekannt. Lediglich einige Titel wurden überliefert. Völlige Unabhängigkeit des Menschen in Bezug auf unnatürliche Bedürfnisse und konventionelle menschliche Bindungen war ihm Bedingung für ein Gutes Leben. Von den über ihn überlieferten Anekdoten ist eine der bekanntesten die von „Diogenes in der Tonne“. Dabei handelt es sich jedoch vielleicht nur um einen Übersetzungsfehler eines von Seneca geprägten Ausspruches, dass ein Mann mit derart geringen Ansprüchen ebenso gut in einem Pithos, einer „Tonne“, leben könne. Dennoch gibt es mehrere Anekdoten, die große Vorratstonnen als einen Wohnort des Diogenes angeben.

Philosophie als radikale Lebensform: Diogenes in der Tonne − Darstellung von Jean-Léon Gérôme (1860)

Durch sein Bettlerleben erwarb er sich den Beinamen Kyon (Hund), den er sofort zu seinem Vorteil umwandelte und als Titel auffasste. Ob die philosophische Schule der Kyniker, als deren Begründer Diogenes von Sinope und sein Lehrer Antisthenes gelten, von diesem Beinamen ihren Namen ableiteten, ist jedoch umstritten. Der heutige Begriff des Zynismus leitet sich vom Kynismus ab.

Zu den Erkennungszeichen der Kyniker gehörten Wanderstab, Rucksack und Essensschale, die gleichzeitig die Grundprinzipien des Kynismus, nämlich Kosmopolitismus, Autarkie, Bedürfnislosigkeit und Parrhesie (freie Rede) symbolisieren.

Zitate

  • „Bildung ist für die Jungen Weisheit, für die Alten Ermutigung, für die Armen Reichtum und für die Reichen Schmuck.“ – gemäß Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VI, 68
  • „Die freie Rede [ist das Schönste am Menschen].“ – gemäß Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VI, 69
  • „Gehe in ein Bordell und lerne, dass zwischen teurem und billigem Vergnügen kein Unterschied ist.“ – Bei Plutarch, Über Kindererziehung, 7
  • „Geh mir ein wenig aus der Sonne!“ – zu Alexander dem Großen auf die Frage hin, welchen Wunsch Diogenes habe; gemäß Plutarch, Leben des Alexander, 14
  • „[Ich bin] Bürger der Welt.“ – auf die Frage, woher er komme; gemäß Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VI, 63
  • „[Ich kann] Männer beherrschen.“ – Antwort auf die Frage, was er könne; gemäß Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VI, 29 und 74; Nachzitat aus Menippos, Verkauf des Diogenes
  • „Ich suche einen Menschen.“ – als er mit einer Laterne in der Hand am hellichten Tage auf dem Marktplatz von Athen war; gemäß Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VI, 41
  • „Menschen rief ich, keinen Abschaum.“ – Als er die Herankommenden mit einem Stock vertrieb, nachdem er zuvor nach Menschen gerufen hatte; gemäß Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VI, 32
  • „Nimm deinen Schatten von mir!“ – zu Alexander dem Großen auf die Aufforderung, sich zu wünschen, was er wolle; gemäß Diogenes Laertius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VI, 38

Quelle: wikipedia

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