Stanley Spencer: The Artist and His Second Wife

This big double nude is rather a remarkable thing. There is in it male, female and animal flesh. The remarkable thing is that to me it is absorbing and restful to look at. There is none of my usual imagination in this thing: it is direct from nature and my imagination never works faced with objects or landscape. But there is something satisfying in looking at it. It was done with zest and any direct painting capacity I had.

Stanley Spencer


Stanley Spencer, „Double Nude Portrait: The Artist and His Second Wife“ (1937, Ausschnitt)

Es gibt ein Bild von Stanley Spencer, das in der Tate Gallery hängt, einen Doppelakt von Spencer und seiner Frau in den Mittvierzigern. Es ist der Inbegriff der ungeschminkten Darstellung eines langen Zusammenlebens von Mann und Frau… Spencer sitzt, hockt neben seiner liegenden Frau. Er sieht durch seine Nickelbrille aus kurzer Entfernung nachdenklich auf sie hinab. Und wir sehen die beiden ebenfalls aus kurzer Entfernung: zwei nackte Körper, direkt vor unseren Augen, damit wir umso besser sehen können, dass sie nicht mehr jung und schön sind. Keiner von beiden ist glücklich. Auf der Gegenwart lastet eine schwere Vergangenheit. Besonders bei der Frau ist alles schlaff und dick geworden, und die Zukunft hält noch härtere Prüfungen als faltige Haut für sie bereit.

Am Rand des Tisches im Vordergrund liegen zwei Stücke Fleisch, eine große Lammkeule und ein kleines Kotelett. Sie sind mit fotografischer Akkuratesse wiedergegeben, mit derselben unbarmherzigen Wahrhaftigkeit wie, nur Zentimeter hinter dem rohen Fleisch, die schlaffen Brüste und der hängende, unerregte Schwanz. Es könnte ein Blick in das Schaufenster eines Metzgers sein, nicht nur auf das Fleisch, sondern auch auf die sexuelle Anatomie dieses Ehepaars. Jedes Mal wenn ich an Consuela denke, sehe ich diese rohe Lammkeule vor mir, einen primitiven Knüppel neben den unerbittlich ausgestellten Körpern dieses Mannes und dieser Frau. Dass sie da ist, so nah an beider Bett, erscheint immer weniger unpassend, je länger man das Bild betrachtet. Im irgendwie ratlosen Gesichtsausdruck der Frau liegt eine melancholische Resignation, und dieser Klumpen Fleisch hat nichts gemein mit einem lebenden Lamm, und seit drei Wochen, seit Consuelas Besuch, muss ich ständig an diese beiden Darstellungen denken.

Philip Roth, „Das sterbende Tier“