Inverto

Ich schlief zu tief im Licht
ich lag zu lang im Schein
zuviel verblich mir langsam in Gedanken –
Steine und Schreie wuchsen in mich ein.

Aus abendlichen Räumen über meinen Phantasien
aus den entlaubten Bäumen über meinem Spleen
verzogen Schatten sich
dahinter sanken
Feuer zusammen und die Nacht erschien.

Und tief in diesem Traum erkannt ich dein Gesicht
hellwach wie Tag – der sich von Schlaf zu Schlaf mir flicht.

Wolfgang Hilbig

Quelle: Deutschlandfunk Lyrikkalender

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Das Meer

Matière de la poésie

Das Meer verhüllt von Licht: verhüllt von Helligkeit …
im Sinn von Licht: ein Lilienweiß um nichts zu sein
als Weiß der Lilien – und Meer um nichts als Meer
zu sein und ohne Maß: und Mond-Abwesenheit –
welch Leuchten das seine lange Überfahrt antritt
und jedes Land vergißt auf nichts bedacht als Ewigkeit –
das Meer: das nicht mehr Tag noch Nacht ist sondern Zeit.

Wolfgang Hilbig