Vorstadthure

Einmal, wann leise den Regen es treibt durch die Gassen
und die Laternen die zottigen Steige verlassen,
fänd ich mir gern einen schweigsamen Gast auf dem Strich,
einen, der schlechter daran ist und ärmer als ich.

Still würd ich ihn in die billige Herberge führen,
heimlich bezahln für den Schlüssel – er würd es kaum spüren –,
drückte die knarrende Türe sacht auf ins Quartier,
brächte von unten uns Kuttelfleck dann und ein Bier.

Still würd vom blechernen Tisch ich die Brotkrümel fegen
und mich im Finstern ganz leise ins Bett zu ihm legen,
herzte ihn, dass mir sein Samen im Schoß überränn,
herzte ihn, dass er ganz leise zu weinen begänn.

Nähm seine salzigen Wangen mir zwischen die Brüste,
bis dass er schliefe; und morgens, bevor er es wüsste,
wär ich gegangen und ließe zurück einen Schein …
Kühl sind die Nächte, es könnte leicht morgen schon sein.

Theodor Kramer, aus „Laß still bei dir mich liegen. Liebesgedichte“