Sieben Vergleiche

Wie das Forsythiengelb
kein Gegenstand stockender Gespräche
und ein im Regen stillstehender Mann
im ersten Moment kein Stein ist.

Wie ich hier allein bin,
einer und nicht zwei, weil mir gelang,
letzten Sonntag auf einem Schleichweg
meinen Schatten abzuschütteln.

Wie die Worte ebenso
kaputtgehen, wie etwas nicht beginnt,
das immer von neuem nur aufhören muss.
Wie sehr du auch darüber staunst.

Mirko Bonné

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Die Erlöserkirche von Lohbrügge

Staubfäden.
Die Staubfäden
der Stunden, dann aber
dieses, Licht.

In das Licht wachsen
Zitterpappeln, und in Winkeln,
wo der Gärtner schlummert, der Reihe
der toten Pastoren und Küster,
das wütende Gras.

Der Herr träumt
und redet im Schlaf.
Gras, schließ die Pfade.
Keiner kommt mehr.

Schlohweiß, in Mänteln,
steigen Schatten die Wand lang
durch den Turm. Kreuzspinnennetze,
Schleier verstorbener Bräute,
winkendes Gezirp.

Staubfäden. Die Stunden.
Vorm neunten Fenster des Mittags
rollen die Farne sich ein in den Herbst,
Gottes schöne Augenbrauen.

Mirko Bonné

aus „Traklpark. Gedichte“