Ziemlich viel Glück

Gustav Klimt - Fischblut - 1898
Gustav Klimt, „Fischblut“ (1898)

Ziemlich viel Glück / Gehört dazu, / Daß ein Körper auf der Luft / Zu schweben beginne / Mit Brust, Achsel und Knie / Und auf dieser Luft / einem anderen Körper begegne, / Wie er / Unterwegs.

Die Atmosphäre macht / Zwei innige Torsen aus ihnen. / Unbemerkt beschreibt ihr Entzücken / Zärtliche Linien in Baumkronen. / Eine ganze Zeit noch / Ist Ihr Flüstern zu vernehmen, / Und wie sie einander / Das schenken, /  Was leicht an Ihnen ist.

Glücklichsein beginnt immer / Ein wenig über der Erde.

Freier Fall

Logik ist einfach, fast wie Symmetrie.
Ganz anders ist es, wenn du Blumen hauchst
ans kalte Fenster oder wenn du etwas brauchst
wie Wunder. Du bekommst es nie.

Es ist wie Fehlen einer Melodie
in einem Lied, in dem du untertauchst.
Die Fensterblumen blühen und du rauchst
jetzt Stoff als Wunder: Phantasie

ist schön und du bist ohne Vorbehalt
ihr gegenüber. Dir wird kalt.
Mit einem Mal fühlst du nun überall

die kalte Fremde auf der eignen Haut
bis in die Poren und du ahnst, wie laut-
los etwas fehlt. Du spürst den freien Fall.

Karl Krolow