Das erste Wort

Der Herbst liegt im Briefumschlag
auf meinen Knien.
Im Licht der tiefen Sonne
überquert ein Zug die Brücke.
Der Anfang oder das Ende
eines einfachen Films
übers Abschiednehmen.

Als wir wieder im Schatten fahren,
öffne ich den Umschlag;
darin das Foto eines Mannes im Wald,
sein Gesicht ist weiß übermalt,
in der Hand hält er einen Hut.
Vor wem hatte er ihn gezogen?

Über das Foto sind fünf Fäden gespannt,
an denen bunte, kleine Papierblätter
vorsichtig aufgezogen sind.
Auf der Rückseite steht geschrieben:
»für Dich, und die Blätter tanzen im Wind …«

Was wir uns nicht alles gesagt haben.

Ich erinnere mich an die Zeit
der Sprachlosigkeit,
als ich mit der Welt, die mich umgab,
im Einklang war,
bevor ich mich mit meinem ersten Wort
für immer von ihr trennte.

Jürg Halter

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