Sonntagnachmittag in Schwabing

Dösende Taxifahrer, fette Tauben
am Elisabethplatz, kein Wermutbruder
in Sicht, auch die Krawall-Hildas
schlafen noch: sowas nenn ich mir
eine Ordnung.

Im ZumZum eß ich Tiroler Speckknödel
mit Salat, trink zwei Weißbier.
Ein grauhaariger Herr nimmt am Nebentisch Platz,
sagt zum Kellner »Das gleiche, wie immer«
und bekommt: einen Kaffee,
ein Eisbein, einen Underberg.
Sorgfältig raucht er eine Juno,
zahlt, geht. Kein Wort zuviel.
Die Musikbox spielt ‚Wenn ich denk daß ich denk‘.

In der Welt am Sonntag lese ich,
daß die Erde bald untergeht,
sogar die sowjetische, aber wir zuerst,
weil wir ihnen die Regenschirme liefern
und dann ohne dieselben
im Regen stehen.
Ich denke, das ist eine nützliche
Information, und zahle meinerseits.

Wieviel Sonne sich da plötzlich putzt!
Ich trink noch eine Halbe in der Isabella-Klause.
Zu den Schafskopfspielern bleibt man besser
höflich, das fällt mir nicht schwer.
Es gibt Sonntage, wo einem nichts schwer fällt,
nicht mal die Welt.

Zu Hause im Keller
schenk ich mir einen Schnaps ein
und treffe eine Verabredung für den Abend.
Auf die Frau freu ich mich.
Schleicht sich da eine Unruhe ein?
Ach was, das liegt am Speck.
Fette Tauben, fette Dichter:
und draußen die schlanken Streifenwagen
der Polizei.

Jörg Fauser