Einer Träumenden

Haben die Himmlischen nicht jedem Schicksal,
das sie zum Dienst erwählt, da sie es lieben,
ein anderes Geschick freundlich gesellt,
dass es in Liebe seine Kräfte rege?
Was abgerungen wurde, Zoll um Zoll,
Wolke um Wolke dem Unendlichen,
vermählen sie bezwungen der Umarmung
der Liebenden und ändern ihre Kreise.
So beugt ein Los des anderen Gesetz
sich zu und fängt mit Armen, stark von Liebe,
an seiner Brust, was finster für den anderen
vom Himmel schwebt, und endet seinen Traum.

aus: Hans Keilson, „Einer Träumenden“ Poem, geschrieben Juli/ August 1943 untergetaucht in „Rekken’schen Inrichtungen“ Eibergen (Niederlande) in limitierter Auflage 1992 erschienen als Freundschaftsausgabe der ELS für Hans Keilson, bei EDITION LITERRISCHER SALON Gideon Schüler, Giessen, 1. Auflage, ISBN 3-925740-09-0, S. 15

(12.12.1909-31.05.2011)

Quelle: exil-archiv

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