Der einsame Engel

Auf dem Fensterbrett brannte eine dicke weiße Kerze, die er jeden Abend dorthin stellte. Er sprach nicht darüber, doch ich war mir sicher, dass er die Kerze wegen meiner Mutter anzündete. Damit sie uns von der anderen Welt aus sehen konnte.

Friedrich Ani, „Der einsame Engel“

Gewisse Zuversicht

An manchen Tagen bin ich
mittags rum so müd, daß
ich verrecken könnt. Das
tu ich dann an manchen Tagen
auch. Und aufersteh am
Nachmittag und streck mich
in die Nacht. Am Morgen
drauf sitz ich am Tisch
und. Heute, glaub ich,
schaff ichs todlos.

Friedrich Ani

(In: Jahrbuch der Lyrik 2008. Hrsg. von C. Buchwald und U. Stolterfoht. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008.)

Der 1959 geborene Autor sagte einmal: “Das Drama des in seinem Lebenszimmer gefangenen Menschen gelingt mir mit dem Krimi am besten …” … Aber auch in der Lyrik Anis geht es um den in seinem Lebenszimmer gefangenen Menschen.

Ein paar Leseproben aus seinem Gedichtband „Mitschnitt“ gibt es bei Hanser/Zsolnay.