Wer war Anakreon?

Anakreon (griechisch Ἀνακρέων Anakréōn; * um 575/570 v. Chr. in Teos in Ionien, heute Sigacik in der Türkei; † 495 v. Chr. in Athen) war ein griechischer Lyriker, der zum Kanon der neun Lyriker gezählt wird.

Die neun lyrischen Dichter waren ein Kanon altgriechischer Autoren, die von den Gelehrten des hellenistischen Alexandria für eines kritischen Studiums wert befunden wurden.

Zum lyrischen Kanon zählten:

  • Alkman (Chorlyrik, 7. Jh. v. Chr.)
  • Sappho (monodische Lyrik, 6. Jh. v. Chr.)
  • Alkaios (monodische Lyrik, 6. Jh. v. Chr.)
  • Anakreon (monodische Lyrik, 6. Jh. v. Chr.)
  • Stesichoros (Chorlyrik, 6. Jh. v. Chr.)
  • Ibykos (Chorlyrik, 6. Jh. v. Chr.)
  • Simonides von Keos (Chorlyrik, 5. Jh. v. Chr.)
  • Pindar (Chorlyrik, 5. Jh. v. Chr.)
  • Bakchylides (Chorlyrik, 5. Jh. v. Chr.)

Das Schrifttum dieser Dichter wird traditionell in Chorlyrik und monodische Lyrik unterteilt. Diese Trennung wird heutzutage jedoch in Frage gestellt. Dieser lyrische Neunerkanon umfasste nur Dichter, die Texte in Strophen verfassten (Lieddichtung oder Melik); daneben gab es die anderen poetischen Gattungen des Iambos, der Elegie, die heutzutage ebenfalls alsgriechische Lyrik bezeichnet werden, und die ebenfalls stets im Metrum abgefassten Großformen des Epos und des Dramas.

Die nach Sappho bedeutendste Dichterin Korinna wurde teilweise diesem alexandrinischen Kanon zugerechnet.

Liebe, Wein und heitere Geselligkeit waren die Hauptthemen seiner im weichen ionischen Dialekt verfassten Lieder, die durch ihre Schönheit und Anmut bekannt waren. Als Lyriker besang er die Liebe, den Wein und die Rosen in anmutigen, leichten Versen, die zahlreiche Nachahmer fanden. (siehe Anakreontik) Anakreon beschrieb die erotischen Gefühle als Ausdruck der psychē.

Von seinen Gedichten sind nur drei vollständig und einige fragmentarisch erhalten.

Auf sein Mädgen

Zum Fels ward Tantals Tochter
Auf Phrygiens Gebürgen;
Und des Pandions Tochter
Ward ehedem zur Schwalbe.
Ich möcht ein Spiegel werden,
Daß du mich stets beschautest;
Zum Kleide möcht ich werden,
Daß du mich immer trügest;
Zum Wasser möcht ich werden,
Daß ich dich baden dürfte.
Zum Flore deiner Brüste,
Zum Kleinod deines Halses,
Zum Schuhe möcht ich werden,
Daß mich dein Fus doch träte.