Kennst du das Land, wo die Germanen blühn?

Man muss es eigentlich sehen und hören:

Kennst du das Land, wo die Germanen blühn? Kennst du die überdeutschen Untermenschen, Goethes amusisch-völkisch entartetes Knechtvolk? Aus dem Lande der Teutonenbande fliehn? Wohin? Dahin? Schande! Leider gibt es keinen Ort. Man kann noch immer nicht von dieser Erde fort zum Licht. Ich bin ein Deutscher. Kennt ihr meine IG Farben? Deutsche, trinkt deutschen Rhein! Singet im Gesangsverein deutsche Lieder vom mainischen Wein! Wollet vor Wotan je Hoffart zum Beten treten, dass wieder bald im Teutoburger Biederwald über der Hampelmänner ratzenkahl geschorene Sträflingsglatzen der Heilige Bierabend hereinbricht, dann rauchen und trinken kugelköpfig die kegelnden Krieger Hindenburg Gold und Löwen Edel-Extra Spezial Perle. Kaiser Rotbart wächst durch den Tisch. Hängt eure Führer, Wilhelms treu-deutscheste Mannen, endlich auf an deutschen Tannen!

Albert Ehrenstein

Quelle: Lutz Görner

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Ich

Ich bin der Stromer zwischen den großen Strömen,

Ich bin der Irrwanderer der Sehnsucht,

Ich bin der unnütze Dichter, einsam, verloren in kranker Welt,

Ich bin ferne der Heimat die einzige Wolke am blauen Himmel,

Ich bin allein der Mond die lange Nacht,

Ich bin der Fremde, der zu sterben heim will,

Ich bin ein Greis, aber ich gehe wie die Sonne unter,

Ich bin der Jahrhundertbaum, angefallen vom Endsturm, mein Herz ist wilder als Herbst,

Ich bin das alte Pferd, seit ältesten Zeiten rührten euch alte Pferde,

Sie habt ihr weiter gefüttert – nicht mich.

Du Fu

Ich bin der unnütze Dichter, verloren in kranker Welt. Nachdichtungen aus dem Chinesischen von Albert Ehrenstein. Berlin: Friedenauer Presse 1984, 2. Aufl., S. 13.

In der Werkausgabe, Band 3/1 u.d.T.: Wär ich ein altes Pferd. Albert Ehrenstein: Werke. Band 3/1. Chinesische Dichtungen. Lyrik. Boer 1995, S. 456.

Unentrinnbar

Wer weiß, ob nicht

Leben Sterben ist,

Atem Erwürgung,

Sonne die Nacht?

Von den Eichen der Götter

Fallen die Früchte

Durch Schweine zum Kot,

Aus dem sich die Düfte

Der Rosen erheben

In entsetzlichem Kreislauf,

Leiche ist Keim,

Und Keim ist Pest.

Albert Ehrenstein (* 23. Dezember 1886 in Ottakring (Wien); † 8. April 1950 in New York)

zitiert nach Kurt Pinthus, „Menschheitsdämmerung“