Chinatown

Chinatown gilt als gelungener, moderner Film noir, in dem es Towne (und Polański) gelingt, die klassische Rolle des private eye in der Tradition von Hammett und Chandler realistisch weiterzuführen. Die Rahmenhandlung dieser Geschichte um sexcrime und Politik geht zurück auf Ereignisse, die sich in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts im Verlauf der sogenannten California Water Wars (en) tatsächlich zugetragen haben. Der kalifornische Wasserbauingenieur William Mulholland gilt als Vorbild für die Figur des Noah Cross. Jack Nicholson, Robert Towne und Produzent Robert Evans haben diese Geschehnisse mit dem innerfamiliären Drama und der typischen Film-noir-Atmosphäre von Misstrauen und moralischer Desorientierung verarbeitet. Das von Towne verfasste Drehbuch wird oft als Musterbeispiel für die gelungene Entwicklung einer Filmhandlung hervorgehoben. Das Drehbuch erhielt 1975 einen Oscar sowie noch weitere Auszeichnungen. Towne hatte für den Film allerdings ein Happy-End vorgesehen. Das Ende des Films wurde von Polański durchgesetzt, der auch später noch davon überzeugt war, dass erst dieses tragische Finale den Film zu einem Klassiker gemacht hat.

Faye Dunaways Rolle als Evelyn Mulwray steht, ebenso wie die des private eye (Privatdetektiv) Jake Gittes, in der Tradition des Film noir. Sie ist die ominöse Dame mit einem Auftrag, die mit dem Fortgang der Geschichte immer geheimnisvoller wird und nicht einzuschätzen ist. Als Figur zwar kultiviert, wechselt sie im Film immer wieder ihr Gesicht. Zwischendurch entpuppt sie sich als veritable „Gangsterbraut“, als sie mit Gittes auf dem Beifahrersitz routiniert einigen schießenden Verfolgern entwischt. Letzten Endes stirbt sie sogar im Auto durch Schüsse, ein ähnliches Ende wie das jener Bonnie Parker, die sie einige Jahre zuvor in Bonnie und Clyde gespielt hatte, dessen Drehbuch unter Beteiligung von Robert Towne zustande kam.

In der Ikonographie des Film noir erscheint die Rolle der Mrs. Mulwray vom Aussehen und ihrer Wirkung auf Gittes her zunächst als klassische Femme fatale, im Laufe der Geschichte entpuppt sie sich aber als ein anderer Frauentypus der Film-noir-Bewegung: das bad good girl. Ihre Handlungen offenbaren sich letzten Endes als geleitet von dem Wunsch, ihre Tochter zu schützen, ihre Lügen Gittes und anderen gegenüber dienten also einem guten Zweck.

Chinatown

Originaltitel: CHINATOWN

Detektivfilm, Kriminalfilm

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1974
Produktionsfirma: Long Road
Länge: 131 Minuten
FSK: ab 16; f
Erstauffuehrung: 19.12.1974/26.11.1976 Kino DDR/25.12.1989 DFF 1/5.10.2000 DVD
DVD-Anbieter: Paramount (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl., Mono dt.)

Darsteller: Jack Nicholson (J.J. Gittes), Faye Dunaway (Evelyn Mulwray), John Huston (Noah Cross), Darrell Zwerling (Hollis Mulwray), John Hillerman (Yelburton), Roman Polanski (Mann mit Messer), Perry Lopez (Escobar), Diane Ladd (Ida Sessions), Roy Jenson (Mulvihill); Produzent: Robert Evans; Regie: Roman Polanski; Drehbuch: Robert Towne; Kamera: John A. Alonzo; Musik: Jerry Goldsmith; Schnitt: Sam O’Steen

Auszeichnungen

Oscar (1975, Bestes Originaldrehbuch – Robert Towne)

Inhalt

Die auf mehreren Ebenen entwickelte Darstellung einer kalifornischen Korruptionsaffäre bei der Planung eines großen Staudammes, deren gesellschaftliche und private Dimensionen durch die Nachforschungen eines Privatdetektivs ans Tageslicht kommen. An Raymond Chandlers Kriminalromanen orientiert, in Stil und realitätsbezogener Darstellung jedoch weit darüber hinausgehende Auseinandersetzung mit der amerikanischen Wirklichkeit nicht nur der 30er Jahre. Zugleich ein Einblick in die psychologische Befindlichkeit einer durch und durch maroden Gesellschaft.

Der Titel des Films bezieht sich zwar vordergründig auf das reale Viertel Chinatown in Los Angeles, in dem der Film endet. Vor allem aber taucht der Begriff den ganzen Film hindurch immer wieder als Chiffre auf. Einerseits für die unheilvolle Vergangenheit Jakes, der schon einmal eine Frau in Chinatown verloren hat. Andererseits als Bedrohung der Zukunft von Jake und Evelyn, als Metapher für einen ungerechten, symbolischen Ort, als der sich das Viertel am Ende des Films tatsächlich entpuppt. Für Jake schließt sich hier ein Kreis. Interessant ist, dass die Chinesen im Film keineswegs in die korrupten Machenschaften verstrickt sind, sondern eher als Helfer Mrs. Mulwrays agieren.

Quellen: wikipedia und Filmlexikon

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