Hugo Cabret

Die Zeit, die Zeit… – Die Zeit ist alles. Sie gibt, und sie nimmt, und wer nicht mit ihr gehen kann, bleibt auf der Strecke. So hat es auch George Méliès erlebt, einer der Pioniere der Filmgeschichte. Heute gilt er als Erfinder des narrativen Films und der Stop-Motion-Technik, zwischenzeitlich war er als Filmschaffender jedoch vollkommen in Vergessenheit geraten, seine Werke verschollen, bis 1929 einige wieder auftauchten und französische Filmjournalisten erneut über ihn berichteten. 1931 bekam er das Kreuz der Ehrenlegion verliehen, das ihm von keinem Geringeren als Louis Lumière angehängt wurde.

Aufstieg und Fall, Wiederentdeckung und die späte Würdigung Méliès‘ hat Martin Scorsese mit der fiktiven Geschichte über den zwölfjährigen Hugo Cabret verwoben, die in Paris in den frühen 1930er-Jahren und zu einem großen Teil innerhalb der labyrinthischen Mauern eines Pariser Bahnhofs spielt, wo der Junge die Uhren am Laufen hält. Die Zeit ist also allgegenwärtig in diesem Film. Dem Jungen hat sie den Vater genommen, und geblieben ist ihm nur ein bis dato funktionsuntüchtiger antropomorpher Automat. Dieser avanciert zum Sinnbild für Hugos Verlust und der Suche nach seiner Bestimmung in einer Welt, die ihm wie ein großes Räderwerk erscheint. Und in einem funktionierenden Mechanismus gibt es nun einmal kein Teil zuviel. In einem funktionierenden Mechanismus erfüllt schließlich jedes noch so kleine Teil seinen Sinn und Zweck.

Nicht zuletzt ist der Automat auch das Bindeglied zwischen den beiden Geschichten. Der von Hugo und der von Méliès. In abenteuerlicher und märchenhafter Manier erzählt der Film von den Verlusten, aus denen wir gemacht sind, und vom Suchen und Finden des Missing Link, der die Brücke schlägt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Schönes Erzählkino, also, mit modernsten Mitteln im Mélièsschen Geiste realisiert.

Hugo Cabret

Originaltitel: THE INVENTION OF HUGO CABRET

Literaturverfilmung

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
Produktionsfirma: Paramount Pic./GK Films/Infinitum Nihil
Länge: 126 Minuten
FSK: ab 6; f
Kinostart: 09.02.2012
Kinoverleih: Paramount

Darsteller: Asa Butterfield (Hugo Cabret), Sacha Baron Cohen (Bahnhofsaufseher), Ben Kingsley (Georges Méliès), Jude Law (Hugos Vater), Chloë Moretz (Isabelle), Christopher Lee (Monsieur Labisse), Emily Mortimer (Lisette), Ray Winstone (Onkel Claude), Helen McCrory (Mama Jeanne), Michael Stuhlbarg (Rene Tabard), Frances de la Tour (Madame Emilie); Produzent: Johnny Depp, Tim Headington, Graham King, Martin Scorsese; Regie: Martin Scorsese; Drehbuch: Josh Logan; Kamera: Robert Richardson; Musik: Howard Shore; Schnitt: Thelma Schoonmaker; Vorlage: Brian Selznick

Inhalt

Der Waisenjunge Hugo Cabret, der alleine in einem Pariser Bahnhofsgebäude lebt, lernt die liebenswürdige Pflegetochter eines grimmigen Ladenbesitzers kennen. Das Mädchen wird seine einzige Freundin, und zusammen mit ihr kommt er dem Geheimnis des alten Mannes auf die Spur: Der Ladenbesitzer war einst niemand anders als der Kinopionier Georges Méliès, hat sich aber aus Verbitterung ganz vom Film losgesagt. Als Hommage an die Magie des Kinos angelegter Film, der mittels Setdesign und Kameraarbeit eine ebenso beziehungsreiche wie bezaubernde Bildwelt eröffnet, sich erzählerisch jedoch schwertut, aus dem Facettenreichtum und der Materialfülle der Buchvorlage eine konzise Filmdramaturgie zu entwickeln. Die daraus entstehenden Längen werden durch die pure visuelle Schönheit und die guten Darsteller jedoch aufgefangen.

Quellen: wikipedia und Filmlexikon

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