Der Manchurian Kandidat

Der Manchurian Kandidat

Originaltitel: THE MANCHURIAN CANDIDATE

Politthriller

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2004
Produktionsfirma: Paramount/Clinico Estetico
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 12; f
Erstauffuehrung: 11.11.2004/31.3.2005 DVD
DVD-Anbieter: Paramount (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)

Darsteller: Denzel Washington (Marco Bennett), Meryl Streep (Eleanor Prentiss Shaw), Liev Schreiber (Raymond Shaw), Jon Voight (Thomas Jordan), Kimberly Elise (Rosie), Jeffrey Wright (Al Melvin), Ted Levine (Colonel Howard), Bruno Ganz (Rochard Delp), Simon McBurney (Dr. Atticus Noyle), Vera Farmiga (Jocelyn Thomas), Robyn Hitchcock (Laurent Tokar), Miguel Ferrer (Colonel Garret), Dean Stockwell (Mark Whiting); Produzent: Scott Rudin, Tina Sinatra, Ilona Herzberg, Jonathan Demme; Regie: Jonathan Demme; Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris; Kamera: Tak Fujimoto; Musik: Rachel Portman, Wyclef Jean; Schnitt: Carol Littleton, Craig McKay; Vorlage: George Axelrod, Richard Condon

Jonathan Demme, dessen Name seit Das Schweigen der Lämmer“ (fd 28 838) unauslöschlich mit dem Genre des psychologischen Thrillers verbunden ist, versucht sich innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal an der Wiederverfilmung eines der großen Stoffe dieser Gattung… Dieser neue „Manchurian Candidate“ ist ein Beispiel dafür, dass man einen Regisseur, der auch in kompromisslerischen Filmen wie „Philadelphia“ und „Menschenkind“ stets als Verfechter gesellschaftlicher Idealvorstellungen erkennbar blieb, nicht unterschätzen sollte. Frankenheimers Film erschien seinen Produzenten 1962 so hautnah an der politischen Realität orientiert, dass sie ihn nach dem Attentat auf Präsident Kennedy aus den amerikanischen Kinos verbannten; und auch Demmes Neuverfilmung hat aufgrund ihrer politischen Interpretierbarkeit die Verantwortlichen von Paramount bereits zu argumentativen Klimmzügen veranlasst, um die offensichtlichen Analogien der Handlung zu jüngsten Ereignissen herunterzuspielen.Was einst die Kommunisten waren, sind jetzt die Drahtzieher eines Kartells, die bei der Aufstellung der Kandidaten für die nächste amerikanische Präsidentschaftswahl nicht mehr das Gemeinwohl im Auge haben, sondern ausschließlich die Interessen des mächtigen Industriekonzerns. Manchurian Global, wie sich der unschwer am Vorbild von Halliburton ausgerichtete Wirtschaftsgigant nennt, steht unmittelbar vor dem letzten Schritt zur ungehinderten Machtergreifung: der Bestallung des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, der nicht mehr dem Gesetz, sondern dem Diktat der Wirtschaft gehorcht… „Der Manchurian Kandidat“ ist auch in der Neufassung ein Thriller, der dem Gesetz des Genres folgend, immer neue Verdachtsmomente und Irritationen aneinander reiht. Dabei hält er die Spannung auf Hochtouren, wie es schon Frankenheimers Film getan hat. Wenn es darum geht, Logik gegen Effekt abzuwägen, dann bleibt manchmal – besonders am Ende – die Nachvollziehbarkeit der Geschehnisse auf der Strecke. Frankenheimer vermochte die Schwächen der Drehbuchkonstruktion durch fulminante Darstellerleistungen von Lawrence Harvey, Frank Sinatra und Angela Lansbury zu überspielen; Demme bietet auch in dieser Hinsicht, dem alten Film pari: Liev Schreiber, Denzel Washington und Meryl Streep sind von bezwingender Überzeugungskraft. Zwar können die implantierten Mikrochips die altmodische, aber auch heute noch schaudererregende Gehirnwäsche an Wirkung auf den Zuschauer nicht übertreffen, und es gibt auch keine Szene, die der ingeniösen Exposition des Frankenheimer-Films das Wasser reichen könnte. Doch je länger dieser neue „Manchurian Candidate“ dauert, umso weniger kann man umhin, die Umsetzung des alten Konzepts in eine vergleichbar aufmüpfige politische Allegorie zu bewundern. Im Vorfeld der heißesten amerikanischen Präsidentenwahl seit Menschengedenken hatte sich Demmes Film gleich neben Michael Moores „Fahrenheit 9/11“ eingereiht. Dass er in Deutschland erst nach der Wahl anlief, raubte ihm womöglich etwas von seiner Aktualität, aber kaum von seiner Brisanz. Amerikanisches Publikum versteht die Anspielungen auf manipulierte Angst vor Terroranschlägen, auf den Verlust von Menschenrechten, auf totale politische Kontrolle und auf die gewissenlose Eigensucht privater Wirtschaftskonzerne, mit der sie Profit aus der globalen Instabilität zu ziehen versuchen. Die Produzenten mögen Analogien zu Halliburton und Dick Cheney als Fantastereien von der Hand weisen, sei doch das Drehbuch lange vor dem Irak-Krieg bereits konzipiert worden. Aber die hörbaren Reaktionen in den amerikanischen Kinos beweisen, dass das Publikum die Fiktionen dieses Thrillers nicht als Fiktion empfindet.

Quelle: Filmlexikon

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