Auf kurze Distanz

Most people who drive through here see farms. Houses, and fields, and shit. I see money, I see things, everything got my name writ‘ on it!

Big Brad Whitewood (Christopher Walken)

Es ist Big Brad’s Blick, der einen den ganzen Film hindurch auf Distanz hält. Ein Typ, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Erscheint auf der Bildfläche, wann immer es ihm gerade passt oder wenn er mal wieder aus dem Knast raus ist. Falls er überhaupt so was wie ein Gewissen hat, verpasst er diesem mit einer Handvoll gewaschener Dollars einen nicht reinen aber zumindest die Art von sauberem Anstrich, auf die es in seinen Augen ankommt. Ein Milieu, das keine Empathie zu wecken vermag. In das man sich auch gar nicht einfühlen möchte.

Little Brad, der Sohn (Sean Penn), erliegt zunächst der Illusion, sein Vater könne ihn da abholen, wo er wohl sein Leben lang auf ihn gewartet hat. Die lähmende Resignation im Hause der Whitewoods, das Fehlen jeglicher Perspektive und nicht zuletzt die Liebe sind der Nährboden für das, was sich am Ende als fataler Irrtum heraus stellen wird.

Eiskalt dekliniert der Film die Vater-Sohn-Tragödie bis zum grausamen Showdown. Aus dem Off gibt es keine Stimme sondern nur eine vorgehaltene Knarre. Die Starre, aus der man schließlich erwacht, ist nicht dazu angetan, auch nur irgendeine Form von Trost zu spenden.

Auf der Berlinale 1986 war der Film für den Goldenen Bären nominiert.

Auf kurze Distanz

Originaltitel: AT CLOSE RANGE

Thriller

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1985
Produktionsfirma: Orion/Hemdale
Länge: 113 Minuten
FSK: ab 16; f
Erstauffuehrung: 9.5.1986/18.11.1986 Video

Darsteller: Sean Penn (Brad Whitewood jr.), Christopher Walken (Brad Whitewood sen.), Mary Stuart Masterson (Terry), Christopher Penn (Tommy Whitewood), Millie Perkins (Julie Whitewood), Eileen Ryan (Großmutter); Produzent: Elliott Lewitt, Don Guest; Regie: James Foley; Drehbuch: Nicholas Kazan; Kamera: Juan Ruiz Anchía; Musik: Patrick Leonard; Schnitt: Howard E. Smith

Inhalt

Ein junger Mann in der amerikanischen Provinz, der mit einer Mischung aus Furcht und Faszination seinem kriminellen Vater nachzueifern versucht und eine Jugendbande gründet, gerät in einen blutigen Unterwelt-Krieg. Mitreißend inszenierter Thriller mit sozialpsychologischem Hintergrund, intensiver Milieuzeichnung und überzeugenden Darstellern. Der Vater-Sohn-Konflikt wird allerdings nur unvollkommen ausgeleuchtet und tritt oft hinter den Actioneffekten zurück.

Quelle: Filmlexikon