Eastern Promises

„Es ist ein Kind geboren!“ So lautet die Frohe Botschaft des Weihnachtsevangeliums. Aber nicht immer bereitet diese Botschaft Freude. So auch in diesem Film, in dem Cronenberg einen tiefen Blick in die Seele der russischen Mafia riskiert. Dass Mafiabosse vergewaltigen und zuschlagen können, ist keine Überraschung. Dass sie Strickpullover tragen und Borschtsch kochen und mit zarten Rosenblüten hantieren, als könnten sie niemals auch nur einer Fliege etwas zuleide tun, das offenbart der Blick des Seelenbeschauers. Auch in eine Welt, in der nichts heilig ist, werden Kinder geboren, eine nackte Tatsache, aus der der Film einen Großteil seiner Spannung bezieht. Auf der einen Seite werden gnadenlos Kehlen durchschnitten und Messer in Augäpfel gerammt, auf der anderen Seite ist das Neugeborene auf die Gnade derer angewiesen, die, ohne mit der Wimper zu zucken, die Klingen führen. Das Hinsehen fällt nicht minder schwer als das Wegsehen. Vielleicht inszeniert Cronenberg die Gewalt deshalb so virtuos, weil der Zuschauer sie so intensiv wie nur irgend möglich am eigenen Leib miterleben soll?

Der Traum von einem besseren Leben ist so alt wie die Menschheit selbst. Ein seidener Faden, der sich durch den ganzen Film zieht. Während er für die einen reißt, besteht immerhin die Hoffnung, dass er von anderen weitergesponnen wird…

Tödliche Versprechen – Eastern Promises

Originaltitel: EASTERN PROMISES

Drama, Gangsterfilm

Produktionsland: USA/Kanada/Großbritannien
Produktionsjahr: 2007
Produktionsfirma: Serendipity Point Films/Focus Features/Kudos Film and TV/Scion Films/BBC Films
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 16; f
Erstauffuehrung: 27.12.2007/7.5.2008 DVD/27.5.2010 ARD
DVD-Anbieter: Tobis (1:1,85/16:9/Deutsch dts 5.1/DD 5.1/Engl.)

Darsteller: Viggo Mortensen (Nikolai), Naomi Watts (Anna), Vincent Cassel (Kirill), Armin Mueller-Stahl (Semion), Sinéad Cusack (Helen), Jerzy Skolimowski (Stepan), Josef Altin (Ekrem), Mina E. Mina (Azim), Aleksander Mikic (Soyka); Produzent: Robert Lantos, Paul Webster, Tracey Seaward; Regie: David Cronenberg; Drehbuch: Steven Knight; Kamera: Peter Suschitzky; Musik: Howard Shore; Schnitt: Ronald Sanders

Inhalt

Eine Krankenhausärztin gerät in den Bannkreis der Russen-Mafia, die in Verteilungskämpfe um die Vorherrschaft in London verstrickt ist. Kein klassischer Genrefilm, sondern ein höchst intensives Noir-Drama um die postsozialistische „Russen-Szene“, in dem das Nebeneinander von Gemütlichkeit und Gewalt mehr schockiert als brutale Exzesse. Dabei wird mit viel Melancholie die kriminelle Form moderner Ökonomie in den Mafia-Strukturen reflektiert. Ein intelligenter Film auf hohem dramaturgischen und stilistischen Niveau, der mit inszenatorischen Überraschungen und hervorragenden Darstellern aufwartet und dessen Bilder lange in Erinnerung bleiben.

Quelle: Filmlexikon

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