Photography, Memory & Fiction

Sometimes I think the only memories I have are those that I’ve created around photographs of me as a child. Maybe I’m creating my own life. I distrust any memories I do have. They may be fictions, too.

Sally Mann in „The Disturbing Photography of Sally Mann“

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Pain & Pleasure

The illusion of knowing has blinded us to the fantastic pain and pleasure of acknowledging that we may know nothing after all.

Amelia Jones

Goyas Geister

Aus Goyas „Caprichos“: Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer oder: Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer.

Goyas gesellschaftliche Stellung, sowie seine überragende kunsthistorische Bedeutung können in Formans Film nur erahnt werden. Goyas Geister begreift das Malerauge vor allem als Beobachterauge und die Kunstwerke als Zeitdokumente, auf die sich die fiktive Geschichte insbesondere im Vor- und Abspann beruft. Einige Einstellungen zitieren Motive aus Goyas Gemälden. Der Künstler ist die Nebenfigur, die fassungslos das Zeitgeschehen malerisch festhält und das individuelle Schicksal der Protagonisten kommentiert.

Die eigentliche Entwicklungsgeschichte wird Lorenzo zuteil, der vom nachäffenden Fanatiker – zuerst katholischer Geistlicher, dann Napoleons Exekutor – selbst zum Opfer wird. Eine trostlose Todesspirale.

Javier Bardem verkörpert diesen abgründigen Charakter überragend, wie auch Natalie Portman den tragischen Fall des unschuldigen Mädchens zur körperlich und geistig gebrochenen Frau.

Quelle: critic.de

Goyas Geister

Originaltitel: GOYA’S GHOSTS

Historienfilm

Produktionsland: Spanien/USA
Produktionsjahr: 2006
Produktionsfirma: Kanzaman/Xuxa Prod./The Saul Zaentz Company
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12; f
Erstauffuehrung: 23.11.2006/30.5.2007 DVD/13.12.2009 ARD
DVD-Anbieter: Universum (1:1,85/16:9/Deutsch DD 5.1/Engl.)

Darsteller: Javier Bardem (Bruder Lorenzo), Natalie Portman (Alicia), Stellan Skarsgård (Francisco Goya), Randy Quaid (Karl IV.), Michael Lonsdale (Großinquisitor), José Luis Gómez (Tomás Bilbatua), Blanca Portillo (Königin María Luisa), Mabel Rivera (Maria Isabel Bilbatua), Unax Ugalde (Angel Bilbatua), Fernando Tielve (Alvaro Bilbatua), Julian Wadham (Joseph Bonaparte), Craig Stevenson (Napoleon), Aurélia Thiérrée (Henrietta); Produzent: Saul Zaentz, Mark Albela, Denis O’Dell; Regie: Milos Forman; Drehbuch: Jean-Claude Carrière, Milos Forman; Kamera: Javier Aguirresarobe; Musik: José Nieto; Schnitt: Adam Boone

Inhalt

Ein Mönch soll im Auftrag der Inquisition den berühmten spanischen Hofmaler Goya wegen vermeintlicher Blasphemien beobachten. Doch statt des Künstlers gerät eine schöne Kaufmannstochter in die Fänge der Inquisition. Jahre später hat der Mönch in Frankreich dem Glauben entsagt, kommt als Besatzer nach Spanien zurück, wird aber von seiner Vergangenheit eingeholt.

Quelle: Filmlexikon

Mehr zum Film gibt es hier.

Das geheime Leben der Worte

Der Film hat drei Schlüsse: einen offenen, einen mit Happy End und zuletzt, weil es eben doch immer noch weitergegangen ist, einen metaphorisch-märchenhaften. Dieser wirkliche Schluss an einem Sonntagmorgen auf dem Land entzieht die Geschichte wieder allen simplen Lesarten und führt die Hauptfigur – die Frau in einer Küche, die wir zum ersten Mal sehen – zurück an den Anfang. An jenen Anfang, an dem aus dem Off eine Mädchenstimme Dinge sagt, Wörter, die wir nicht verstehen, die inzwischen aber ihr «geheimes Leben» angenommen haben und von denen wir uns jetzt fragen, woher das Kind, die «Tochter» der Frau in der Küche, von ihnen wusste. Der Film beginnt so mit einem Geheimnis und schliesst mit einem, und wenn er dazwischen eins lüftet, das zentrale in der Lebensgeschichte ebendieser jungen Frau, dann auf eine Weise, dass wir nie dem naiven Glauben verfallen, nun alles zu wissen.
Das geheime Leben der Wörter und Worte: Es beginnt für Hanna nach ihrer Ankunft auf der Bohrinsel auf eine neue Weise zu wirken, obwohl wir sie zuvor schon gesehen haben, wie sie eine Telefonnummer wählt und dann, ohne ein Wort zu sagen, der Stimme der Frau (Julie Christie) zuhört, die wir am andern Ende der Leitung sehen und die schon zu wissen scheint, wer anruft. Josef, ihrem Patienten, begegnet sie distanziert, sachlich, streng professionell, ohne ein Quentchen von sich preiszugeben, verschweigt ihm ihren Namen – und vermag auf die Dauer doch nicht der Qualität von Coixets Drehbuch mit seinen hervorragenden Dialogen und der Umsetzung dieses Verführungsprogramms zu widerstehen, das ein vor Schmerzen stöhnender Tim Robbins mit beeindruckender Kunst ganz uneitel als Dienst am Wort demonstriert. – Seine Statur erweist der Film in der Kunst, mit der Bezüge geschaffen werden, etwa wie er sachte die tiefe Wahrheit aus Josefs ironisch dahergesagtem Satz bei der ersten Begegnung herausschält: dass sie doch ein neues Leben zusammen aufbauen, heiraten und Kinder haben könnten . . . Oder wie er Hanna eine Nachricht auf Josefs Mobiltelefon abhören lässt, in der eine unbekannte Geliebte von Alcoforados «Liebesbriefen einer portugiesischen Nonne» spricht, die er ihr geliehen hat – ob sie eine «Nonne» sei, fragt Josef einmal auch Hanna -, oder der kurze Blick der Kamera auf den Umschlag von «Middlemarch», dessen Heldin, Dorothea, zuletzt ja ihre Bestimmung gefunden haben, ihr wahres Selbst geworden sein wird.
Doch bis dahin ist es für Hanna noch weit. Die Neckereien, die beiläufig placierten Anzüglichkeiten, Josefs Witz, vor allem aber seine Offenheit weichen endlich ihren Panzer auf. Berührend, wie Sarah Polley dieses allmähliche Auftauen zeigt, mit kleinsten, wortlosen Gesten, bis sie endlich in befreitem Gelächter herausplatzt, als er sie fragt, ob sie ein Geheimnis bewahren könne, und ihr dann verrät, dass er nicht schwimmen kann – ihre Bestürzung, als sie gewahrt, dass sich dahinter tatsächlich das Trauma seines Lebens verbirgt. Und doch wird das Schwimmenlernen zuletzt zur Metapher für ihre gelingende Beziehung werden. Und dann ist es Zeit für sie geworden, sich gleichfalls zu öffnen. Wir haben es schon an der durchscheinenden Bluse erkannt, unter der sie nichts trägt, was Josef aber nicht sehen kann.
Und so beginnt Hanna davon zu erzählen, was sie und ihre beste Freundin, die sie Hanna nennt, als Gefangene eigener Milizen im Jugoslawienkrieg erlebten, den Horror von Demütigung, Vergewaltigung und Folter, deren Narben sie Josef ertasten lässt. Später wird er, dank ihrem Vorrat an Mandelseife, Hannas Spur aufnehmen können und nach Kopenhagen gelangen, zu Inge («Genefke»), der Frau, die wir am Telefon schon gesehen haben. Von ihr wird er von der fast unauslöschlichen Scham der überlebenden Opfer erfahren. Und so müssen also die Wörter noch einmal die Kraft ihres geheimen Lebens offenbaren.

Das geheime Leben der Worte

Originaltitel: LA VIDA SECRETA DE LAS PALABRAS

Produktionsland: Spanien
Produktionsjahr: 2005
Produktionsfirma: El Deso/Hotshot Films
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 6; f
Erstauffuehrung: 27.4.2006/23.10.2006 DVD
DVD-Anbieter: Universum (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)

Inhalt

Eine schwerhörige Frau, die von ihren Kolleginnen geschnitten wird, verbringt ihren Urlaub als freiwillige Krankenschwester auf einer Bohrinsel, wo sie einen Arbeiter kennen lernt, der nach einem Tauchunfall kurzzeitig sein Sehvermögen verlor. Durch die Annäherung der beiden verschlossenen Menschen brechen alte Wunden auf. Das leise entwickelte Drama um zwei traumatisierte Menschen erzählt auf vielschichtige Weise von Schuld, Verletzungen und Liebe, wobei die Gratwanderung zwischen Innerlichkeit, politischer Betroffenheit und trivialer Emotionalität zwar nicht immer ganz gelingt, aber jederzeit berührt.

Quelle: Filmlexikon

Mehr zum Film gibt es hier

Las Bandidas

Aus dem offiziellen Programm des Fantasy Film Festes 2009:

SOLO QUIERO CAMINAR, so der spanische Originaltitel, ist mindestens ebenso virtuos komponiert wie die gleichnamige, bekannte Flamenco-Ballade von Paco de Lucia. Inszeniert hat diesen durch und durch raffinierten Thriller Agustín Díaz Yanes, der nach seinem muffigen Historienspektakel ALATRISTE demonstriert, dass er weit mehr kann als nur Kulissen hin- und her zu schieben. Das zeigt sich schon in der ersten Sequenz des Films, in der Yanes souverän zwischen verschiedenen Handlungsebenen schneidet, um den waghalsigen Einbruch von vier Frauen bei einem russischen Gangstersyndikat nach allen Regeln der Kunst zu zelebrieren. Dass eine von ihnen dabei geschnappt wird und in den Knast wandert, bildet den Ausgangspunkt für diesen bisweilen grotesk gewalttätigen Kraftakt, der seinen wunderbaren weiblichen Stars – Victoria Abril, Ariadna Gil, Elena Anaya und Pilar López de Ayala – jede erdenkliche Möglichkeit bietet, gut auszusehen, im wortwörtlichen wie übertragenen Sinne. Es gibt einen Gefängnisausbruch, kühlen Sex, Blutbäder mit der Mex-Mafia und schließlich einen energischen Showdown auf mexikanischem Boden, wo Leben billig ist und Peckinpah-Zitate zwingend sind. Auf gut spanisch: Das rockt!


“SOLO QUIERO CAMINAR … sets four of Spain’s biggest female stars loose in the visually arresting and often brutal world of New Mexican Cinema where they pit their wits against an army of sordid stereotypical machos. As the gutsy leads wriggle through tunnels, crack safes, perform flying drop kicks, and are punched, throttled and stabbed, you have to ask if this is what Tarantino might do if he got his hands on CHARLIE’S ANGELS.”

Screen International

Eine anregende Kritik findet sich auch hier: Butt-kicking Babes