Der Tod ist die Kurve an einer Straße

Abbas Kiarostami (* 2. Juni 1940 in Teheran; † 4. Juli 2016 in Paris)

Der Tod ist die Kurve an einer Straße. / Das Sterben entrückt nur dem sehenden Sinn. / Lausch ich, hör ich deine Schritte / Dasein wie ich selber bin.

Die Erde ist aus Himmel geschaffen. / Die Lüge hat kein Geheg. / Niemand ging jemals verloren. / Alles ist Wahrheit und Weg.

Fernando Pessoa

Advertisements

Roads and Rain

Abbas Kiarostami (* 2. Juni 1940 in Teheran; † 4. Juli 2016 in Paris)

It’s said that in the beginning was the word, but for me the beginning is always an image. When I think about a conversation, it always starts with images. And what I love about photography is the inscription of a single moment: it’s completely ephemeral. You take the photograph, and one second later, everything has changed.

Abbas Kiarostami

Liebe

Bei Peoplecheck sucht jemand nach Maria Karl Bobaj und die Maschine spuckt Februar | 2012 | Cool Pains aus. Ich kenne die Dame zwar nicht, und der Sachverhalt hätte mich auch nicht weiter beschäftigt, aber durch ihn bin ich über einen alten Blogeintrag gestolpert:

Liebe

Liebe
liegt in
der Luft, obwohl:
Love is in the
air, klingt auch schön. Ätherischer.
Im Deutschen raubt das t der
Luft die Leichtigkeit. Von Luft und Liebe
könnte man leben, wenn das kleine Klötzchen t
nicht wäre am Bein der Luft. Und das Los
der Leibhaftigkeit, das auch kein leichtes ist, das Leben, hier,
in einem Leib, während die leuchtenden Laken der Lust brach liegen.
Im letzten Licht des Tages liebäugeln sie mit der Leichtigkeit von Worten.

So geschehen, nachdem ich mich den ganzen Tag lang mit Platon rumgeschlagen hatte und noch über das Bett als Bühne bei Hopper und überhaupt in der Kunst nachdachte. Ich könnte eine Serie daraus machen.

Et voilà:

Abbas - Intimacy - 2012
Abbas, „Intimacy“ (2012)

Der Moment aber, aus dem heraus jene Zeilen entstanden sind, lässt sich leider nicht rekonstruieren. Fakt ist, heute würden sie mir nicht mehr einfallen. Während die leuchtenden Laken der Lust brach liegen… das tun sie zwar, keine Frage, vor fünf Jahren jedoch, da glaubte ich noch an den Zahlenwert der von Bowie besungenen magischen Five Years.

Am nächsten Tag dann die Nachricht von seinem Tod… als breche ein Stück eigenes Leben weg. Endgültig. Und für immer.

Alles über Elly

Elly, wie sie mit einem rot-weiß-gepunkteten Drachen am Strand des Kaspischen Meeres hin- und herläuft. Dann ist sie plötzlich verschwunden, und das große Rätselraten beginnt.

Den Spiegel, der die politischen Verhältnisse im Iran reflektiert, legt man nur schwer aus der Hand, bei einem Film aus diesem Land. Und doch entspricht abgesehen von der Bekleidung der Frauen eigentlich nichts auf den ersten konditionierten Blick des Zuschauers den Klischees. Im Gegenteil. Eine ähnliche Geschichte könnte sich überall auf dieser Welt zutragen, wo die Rolle der Frau in der Gesellschaft und die Verhältnisse der Geschlechter immer noch oder immer wieder diskutiert werden. Die Beziehungen der Menschen untereinander sind es ohnehin immer und überall wert, hinterfragt zu werden. Und die Fragen, die Ellys Verschwinden aufwirft, sagen wie üblich weit mehr über den, der fragt, als über den, nach dem gefragt wird.

Insofern lässt sich der Film nicht auf eine Aussage reduzieren. Schon gar nicht auf eine politische. Es geht auch um das Freisein. Elly ist es nicht. Nicht einmal oder vor allem nicht frei, sich die Art ihres Verschwindens auszusuchen…


Ich hoffe, dass irgendwann einmal der Tag kommt, an dem es genauso viele Meinungen zu einem Film gibt wie Zuschauer. Ich mag die Vorstellung, dass ein Film einem Kreuzworträtsel gleicht, das von den Zuschauern gelöst werden muss.

Asghar Farhadi

Elly

Darbareye Elly (2009), IR

 

Credits:

  • Weitere Titel: Alles über Elly
  • Kinostart: 06.01.2011
  • FSK: 12
  • Filmlänge: 119 Min.
  • Jahr: 2009
  • Genre: Drama
  • Land: Frankreich, Iran
  • Verleih: Fugu Filmverleih
  • Regie: Asghar Farhadi
  • Buch: Asghar Farhadi
  • Kamera: Hossein Djafarian
  • Produzent: Asghar Farhadi
  • Schnitt: Mohammad-Reza Delpak
  • Darsteller: Golshifteh Farahani, Taraneh Alidoosti, Marila Zare’i, Rana Azadvar, Shahab Hosseini, Saber Abbar

Quelle: spielfilm.de

Inhalt:
Asgar Farhadis „Alles über Elly“ erzählt die Geschichte einer Kindergärtnerin aus Teheran, die mit drei wohlsituierten Ehepaaren in den Mittdreißigern zum Kurzurlaub ans Kaspische Meer fährt. Elly wird als gleichberechtigter Gast mitgenommen, aber die Einladung hat gleich zwei Hintergedanken: So wird es natürlich geschätzt, wenn eine kinderlose kinderliebe Frau den Eltern im Urlaub die Aufsichts- und Unterhaltungspflicht abnimmt; zudem soll Elly mit dem Junggesellen Ahmad verkuppelt werden. Sie ist gar nicht abgeneigt, aber die unverhohlene Verhohlenheit, mit der die Ehepaare kichernd und tuschelnd die Beziehungsanbahnung betreiben, macht sie verlegen und traurig. Dann ist sie plötzlich weg – und eins der Kinder treibt bewusstlos im Meer. Ist Elly ertrunken, als sie den Jungen retten wollte? Oder hat sie einfach ihre Sachen gepackt und ist nach Hause gefahren? Bei dem Versuch, das Verschwinden und die sich anbahnende Katastrophe zu bewältigen und zu verstehen, verstrickt sich die anfangs so heitere Reisegesellschaft in Lügen, Streit und schlechter Laune. Unter der modernen Fassade treten Kälte, Borniertheit und atavistische Ehrbegriffe zu Tage; keiner von den Beteiligten scheint in der Lage, ehrlich und aufrichtig zu reden. (Quelle: Berliner Zeitung)