Persepolis

Von Persepolis, der Hauptstadt des antiken Perserreichs, sind nur noch Ruinen übrig. Die steinernen Reste der über 2500 Jahre alten Residenzstadt im Süden Irans zeugen bis heute von ihrer Pracht, bevor Alexander der Große sie 330 vor Christus niederbrennen ließ. Mit dem Titel Persepolis hat Marjane Satrapi ihre im französischen Exil zusammengetragenen Erinnerungen an Kindheit und Jugend im Iran überschrieben. Darin erzählt sie – zunächst in vier Comic-Bänden zur Coming-of-Age-Geschichte verdichtet, nun auch in einem Zeichentrickfilm – von kostbaren Momenten genauso wie von den Verwüstungen eines Lebens in Unfreiheit, von Ruinen, aber auch von Neuanfängen.

Satrapis Bilder scheinen, als ob ihre Gedanken unmittelbar auf den Block geschlüpft seien, so direkt übersetzen sie Gefühle in Formen und Schattierungen. Jedoch wirkt nichts unüberlegt, sondern stets ist jede Situation, jede Stimmung sauber umrissen und auf den Punkt gebracht. Mit einfachen Strichen, scharfen Kanten, schwarzen und weißen Flächen weist Persepolis die grafische Schlichtheit der ersten Micky-Maus-Filme (z.B. Plane Crazy, 1928) von Walt Disney auf. Nicht nur deshalb, auch wegen der humorvollen Auseinandersetzung mit furchtbaren Erlebnissen wird Satrapis Arbeit häufig mit dem zweibändigen Comic Maus (1986, 1991) verglichen, in dem Autor Art Spiegelman mit Micky-Maus-ähnlichen Figuren die Geschichte eines Holocaustüberlebenden nacherzählt.

Der gemeinsam mit Ko-Regisseur Vincent Paronnaud realisierte Debütfilm von Marjane Satrapi gestaltet sich deshalb zum emotionalen Ping-Pong-Spiel, das trotz aller Trauer um das Verlassen von Heimatland und geliebter Familie stets zutiefst optimistisch bleibt. Wenngleich sich die Umstände im Iran für die Autorin Satrapi sowie ihre Filmfigur Marji als unlebbar erwiesen haben, hat sie mit Persepolis dennoch eine Liebeserklärung an die Menschen in ihrer Heimat gezeichnet, allen voran an ihre unangepasste Großmutter, die mit bissigem Humor und unbeirrbarer Freude am Leben die eigentliche Rebellin im Film darstellt.

Zu Beginn, zwischendurch und am Ende des Films sitzt die erwachsene Marji in einigen wenigen farbig gezeichneten Szenen in einer Bar des Flughafens Paris-Orly. Sie blickt den abhebenden Flugzeugen Richtung Teheran nach. In Frankreich kann sie heute leben, wie sie will, aber der melancholische Blick in den Himmel zeigt, um was es in Persepolis hauptsächlich geht: den erzwungenen und unumkehrbaren Verlust von Heimat.

Quelle: critic.de

Persepolis

Originaltitel: PERSEPOLIS

Zeichentrickfilm

Produktionsland: Frankreich/USA
Produktionsjahr: 2007
Produktionsfirma: 2.4.7. Films/Kennedy-Marshall Comp./France 3 Cinéma/French Connection/Diaphana
Länge: 95 Minuten
FSK: 12 (DVD)
Erstauffuehrung: 11.10.2007 Schweiz/22.11.2007/15.5.2008 DVD
DVD-Anbieter: Prokino/Universal (16:9, 1.85:1, DD5.1 frz./dt.)

Produzent: Xavier Rigault, Marc-Antoine Robert, Tara Grace; Regie: Vincent Paronnaud, Marjane Satrapi; Drehbuch: Vincent Paronnaud, Marjane Satrapi; Musik: Olivier Bernet; Schnitt: Stéphane Roche; Vorlage: Marjane Satrapi

Auszeichnungen

Cannes (2007, Preis der Jury – Marjane Satrapi)

Inhalt

Die Erinnerungen einer Exil-Iranerin, die 1995 nach Jahren in Österreich beschließt, in ihre Heimat zurückzukehren. Kurz vor dem Rückflug lässt die junge Frau (…) ihre Jugend im Reich des Schahs und unter dem Regime der Mullahs Revue passieren. Der autobiografisch gefärbte Zeichentrickfilm nach einem Comic der Künstlerin, Autorin und Co-Regisseurin Marjane Satrapi erzählt seine politisch ambitionierte Geschichte eindrucksvoll in flächigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen und mit viel satirischem Witz, wobei er erlittenes Unrecht deutlich beim Namen nennt.

Quelle: Filmlexikon