Der Ghostwriter

Der Ghostwriter

Originaltitel: THE GHOST WRITER

Literaturverfilmung, Politthriller

Produktionsland: Frankreich/Großbritannien/Deutschland
Produktionsjahr: 2010
Produktionsfirma: RP Films/Runteam/Studio Babelsberg
FSK: ab 12; f
Kinostart: 18.02.2010
Kinoverleih: Kinowelt

Darsteller: Ewan McGregor (The Ghost), Pierce Brosnan (Adam Lang), Kim Cattrall (Amelia Bly), Olivia Williams (Ruth Lang), James Belushi (John Maddox), Timothy Hutton (Sidney Kroll), Eli Wallach (alter Mann auf Martha’s Vineyard), Tom Wilkinson (Paul Emmett), Robert Pugh (Richard Rycart); Produzent: Roman Polanski, Robert Benmussa, Alain Sarde, Henning Molfenter, Timothy Burrill, Carl L. Woebcken, Christoph Fisser; Regie: Roman Polanski; Drehbuch: Roman Polanski; Kamera: Pawel Edelman; Musik: Alexandre Desplat; Schnitt: Hervé de Luze; Vorlage: Robert Harris

Auszeichnungen

Berlin (2010, Beste Regie (Silberner Bär) – Roman Polanski), Europäischer Filmpreis (2010, Bester Film – Roman Polanski), Europäischer Filmpreis (2010, Beste Regie – Roman Polanski), Europäischer Filmpreis (2010, Bester Darsteller – Ewan McGregor), Europäischer Filmpreis (2010, Bestes Drehbuch – Roman Polanski), Europäischer Filmpreis (2010, Bestes Drehbuch – Robert Harris), Europäischer Filmpreis (2010, Beste Musik – Alexandre Desplat), Europäischer Filmpreis (2010, Bestes Szenenbild)

Inhalt

Ein Autor soll als Ghostwriter die Memoiren eines ehemaligen britischen Premierministers überarbeiten, der wegen dubioser Verstrickungen in Menschenrechtsverletzungen ins Kreuzfeuer der Medien geraten ist. Während seiner Arbeit stößt der Ghostwriter auf immer mehr Ungereimtheiten und gerät auch persönlich in Gefahr, als er dunklen Machenschaften auf die Spur kommt. Virtuos zwischen Polit-Thriller und griechischer Tragödie angesiedeltes Krimi-Vexierspiel um die Mechanismen der Macht und den korrumpierenden Einfluss, den sie auf Menschen ausübt. Glänzend gespielt, überzeugend in der Spannungsdramaturgie, pointiert im Einsatz von Humor und Handlungsdetails.

Quelle: Filmlexikon

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Der Gott des Gemetzels

Gepflegt, vernünftig und kompromissbereit sollen sie den Streit ihrer Kinder beilegen. So will es Penelope (Jodie Foster). Sie zieht uns hinein in den Film, und mit ihr könnte er nach fünf Minuten wieder vorbei sein. Denn die beiden Ehepaare scheinen sich oberflächlich einig genug, um das Schuldeingeständnis des einen Sohnes für die Vergebung des anderen einzutauschen. Das könnte und würde vielleicht klappen, wenn Penelope und Michael (John C. Reilly) mit Nancy (Kate Winslet) und Alan (Christoph Waltz) tatsächlich einen Stellvertreterkampf ausfechten würden. Stattdessen dreht es sich in Yasmina Rezas Stück Der Gott des Gemetzels(Le Dieu du carnage, 2006) und dessen Adaption aber um den Drang nach der gesellschaftlichen Bestätigung des eigenen Lebens. Und so nehmen sich die Protagonisten mit ihrer Sehnsucht nach einer einvernehmlichen Lösung gegenseitig gefangen.

Der Gott des Gemetzels (Carnage) gewinnt als Kammerspiel seine Dynamik aus der wiederholten Verschiebung der Fronten. Erst wird die Linie zwischen den beiden Paaren gezogen, dann kämpft jeder für sich, später verbrüdern sich die Männer, und schließlich schlagen die Frauen gemeinsam zurück. Polanski nutzt das minimalistische Setting einer New Yorker Wohnung ausgiebig, inszeniert das Sittendrama als Beziehungsstück im wörtlichen Sinne, bei dem die ineinandergreifenden Bewegungen der vier Schauspieler als perfekt getimte Choreografie in der geschmeidigen Montage aufgehen. Jodie Foster spielt die von Angst durchdrungene, kontrollierte Buchhändlerin und idealistische Autorin, die sich von den anderen in die Ecke drängen lässt.

John C. Reilly glättet als ihr hemdsärmeliger Ehemann die Wogen und lässt sich vom psychologischen Druck seiner Frau treiben, bis ihn ein Wutausbruch übermannt:

Kate Winslets Investmentbankerin ist die zunächst diskreteste Figur, die in sich geht, die anderen erträgt und mit aller Ruhe, aber bestimmt zurechtweist. Als sie ihre Zurückhaltung ganz physisch verliert und den servierten Kuchen mit nachgespülter lauwarmer Cola erbricht, läutet sie den zweiten Akt und den Verlust aller Contenance ein:

Die Fassaden bröckeln, und nur einer behält seine Coolness, nämlich der, der das ganze Leben als Spiel begreift: Christoph Waltz alias Advokat Alan. Und Waltz spielt alle an die Wand:

Als Anwalt, der einen Pharmakonzern vertritt und gerade parallel zur privaten Krise im Apartment eine rechtliche per Handy managt, erhält Waltz vom Drehbuch die schönsten Retourkutschen. Einen Augenblick minimiert Alan lakonisch die Schadensersatzansprüche leidender Patienten, im nächsten hält er der moralisierenden Penelope Scheinheiligkeit vor. Er zögert keine Sekunde, seinen eigenen Sohn alsmaniac zu bezeichnen, und als Penelope den Wunsch äußert, doch einmal mit diesem zu reden, wünscht er ihr voller Sarkasmus viel Glück. Es ist eine dankbare Rolle für Waltz, … vor allem, weil er den souveränsten Part spielt, der den Fluss des Films immer wieder beherrscht. Und es ist ein wahres Fest, seinem Alan dabei zuzusehen, wie er als ausgewiesener Gläubiger des „Gottes des Gemetzels“ die stocksteife Penelope nahe an den Nervenzusammenbruch bringt, um nur wenig später selbst am Boden zusammenzusacken.

Roman Polanski kann sich bei Der Gott des Gemetzels stark auf die Vorlage verlassen. Das Theaterstück, das 2009 in der Broadway-Fassung mit einem Tony ausgezeichnet wurde, adaptierte Autorin Yasmina Reza zusammen mit dem Regisseur. Vor allem die scharfzüngigen, in alle Richtungen Meta-Ebenen eröffnenden Dialoge und die ertragreiche Grundkonstellation lassen die Begrenzung auf den einen Schauplatz – das erste und letzte Bild ausgenommen – schnell vergessen. Nach seinem letzten, als Politthriller sehr intim anmutenden Film Der Ghostwriter (The Ghost Writer, 2010) geht Polanski hier noch einen Schritt weiter in der Reduktion – weiter auch als in seinem Drei-Personen-Psychothriller Der Tod und das Mädchen (Death and the Maiden, 1994), an den man sich vor allem aufgrund des Kammerspielaspektes erinnert fühlen mag. Auf seine Entscheidung für die Vorlage von Reza lässt Polanski in der Umsetzung zwei naheliegende, aber brillant gelöste Konzentrationsbewegungen folgen: Er setzt alles auf die Inszenierung der physischen Präsenz seiner Darsteller im Raum und auf deren punktgenaue Pointen. Der Gott des Gemetzels wird so zu einer mitreißenden Liebeserklärung an die Kunst des Schauspiels.

Quelle: critic.de

Der Gott des Gemetzels

Originaltitel: CARNAGE

Drama, Literaturverfilmung

Produktionsland: Frankreich/Deutschland/Polen/Spanien/Frankreich
Produktionsjahr: 2011
Produktionsfirma: SBS Prod./Constantin Film Prod./SPI Film Studio/Versatil Cinema/Zanagar Films/France 2 Cinéma
Länge: 80 Minuten
FSK: ab 12; f
Kinostart: 24.11.2011
Kinoverleih: Constantin

Darsteller: Jodie Foster (Penelope Longstreet), Kate Winslet (Nancy Cowan), Christoph Waltz (Alan Cowan), John C. Reilly (Michael Longstreet); Produzent: Saïd Ben Saïd, Oliver Berben, Martin Moszkowicz, Piotr Reisch, Jaume Roures; Regie: Roman Polanski; Drehbuch: Yasmina Reza, Roman Polanski; Kamera: Pawel Edelman; Musik: Alexandre Desplat; Schnitt: Hervé de Luze; Vorlage: Yasmina Reza

Quelle: Filmlexikon