Tödlicher Kompromiss

René Bousquet, Familienvater und erfolgreicher Banker, wird 1978 in einer Zeitschrift für die Razzia vom Vél d’Hiv, die Massenverhaftung Pariser Juden im Jahre 1942, verantwortlich gemacht. Mit seinen Zugeständnissen glaubte der damalige Polizei-Generalsekretär, durch die Deportation nichtfranzösischer Juden das Leben der französischen erkaufen zu können.
Für Bousquet beginnt ein Spießrutenlauf: Drohungen, öffentliche Anfeindungen, das Ende seiner Bankkarriere und schließlich die Anklage im Jahr 1991 setzen dem anscheinend unbeugsam von der Richtigkeit seiner Handlung überzeugten Bousquet schwer zu und belasten seine Familie. Gleichzeitig setzt bei Bousquet eine innere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ein, hervorgerufen durch mysteriöse Briefe von Deportierten und eine Unbekannte, die immer wieder auftaucht. Die fremde Dame behauptet, Bousquet zu kennen – seit 1942…

In „Tödlicher Kompromiss“ porträtiert Regisseur Laurent Heynemann mit dem Mann René Bousquet eindringlich das komplexe Thema der Kollaboration, ohne in Klischees zu verfallen. Diese französische Wahrnehmung fügt der deutschen Debatte über Verstrickung in Naziverbrechen einen durchaus neuen Blickwinkel hinzu. René Bousquet ist kein schuldbewusster niedriger Befehlsempfänger, aber auch kein Monster. Bousquet wird aus der Sicht seiner Freunde und Familie dargestellt; er ist ein ganz normaler Mensch – und gerade das ist für den Zuschauer beängstigend.

Tödlicher Kompromiss
René Bousquet ou Le grand arrangement
Fernsehfilm, Frankreich 2006, ARTE F, Synchronfassung, Stereo, Zweikanalton, Erstausstrahlung, 99 Min.
Regie: Laurent Heynemann, Drehbuch: Pierre Beuchot, Antoine Desrosierès, Kamera: Robert Alazraki, Musik: Bruno Coulais, Kostueme: Sylviane Combes, Redaktion: Arnaud Louvet, Schnitt: Marion Monestier; Ausstattung: Emmanuel Sorin; Maske: Brigitte Charoy; Ton: François Maurel, Muriel Moreau, Claude Gazeau, Produktion: Nelka Films, Produzent: Nelly Kafsky
Mit: Daniel Prévost (René Bousquet), Ludmila Mikaël (Unbekannte), Macha Meril (Evelyne Baylet), Philippe Magnan (Louis Bousquet), Michel Aumont (Richter Moatty), Philippe Duclos (Jean-Paul Martin), Dominique Guillo (Guy Bousquet), Yves Gasc (Jacques Saunier), Philippe Laudenbach (Jean Leguay), Erick Desmarestz (François Cathala), Philippe Morier-Genoud (Jean Maxime-Robert), Hubert Saint Macary (Maître Jaffré), Anne Loiret (Marine Anzani), Marc Faure (Yves Cazaux), Marie-Thérèse Arène (Raymonde Bousquet), Alain Feydau (Präsident Indosuez)

Quelle: arte