Esmas Geheimnis – Grbavica

Der deutsche Verleihtitel verrät schon zuviel. Denn daß Esma ein Geheimnis hat, ist ja gerade das Geheimnis des Films. Der Originaltitel ist zurückhaltender und präziser: „Grbavica“. So heißt ein Stadtviertel in Sarajevo, das während des Bürgerkriegs von den Serben besetzt war. Wenn sie heute durch das Viertel gehe, sagt Jasmila Zbanic, die Filmemacherin, spüre sie „etwas Unaussprechliches, Unsichtbares“ in der Luft, einen Nachhall tausendfachen Leids. Auf bosnisch, erklärt die Regisseurin, bedeute Grbavica „eine Frau mit einem Buckel“…

Gebeugt, gehetzt, wie unter einem Buckel aus Erinnerungen läuft Esma durch ihr Viertel, im Bus erschrickt sie vor der behaarten Brust eines Mitfahrers, in der Disko vor einer Uniform, dem Grinsen eines Männergesichts. Was Esma vom Leben bleibt, ist ihre Tochter, ein zwölfjähriger Backfisch mit den Ängsten und Allüren aller Teenager. „Was habe ich von Papa?“ fragt Sara ihre Mutter im Cafe. „Die Haare.“ Zuletzt genügt dem Mädchen diese Antwort nicht mehr, es greift zur Pistole, und da endlich erfährt Sara, was sie wissen will. Ein kleines, trauriges und schreckliches Geheimnis, eines unter tausenden…

Esmas Geheimnis

Originaltitel: GRBAVICA

Produktionsland: Bosnien-Herzegovina/Kroatien/Österreich/Deutschland
Produktionsjahr: 2006
Produktionsfirma: Coop 99/Deblokada/noirfilm/Jadran Film
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12; f
Erstauffuehrung: 6.7.2006/8.1.2007 DVD
DVD-Anbieter: good!movies (1:1,85/16:9/Dolby Digital 2.0)

Darsteller: Mirjana Karanovic (Esma), Luna Mijovic (Sara), Leon Lucev (Pelda), Jasna Ornela Berry (Sabina), Dejan Acimovic (Cenga), Bogdan Diklic (Saran), Emir Hadzihafizbegovic (Puska); Produzent: Barbara Albert, Damir Ibrahimovic, Bruno Wagner, Boris Michalski, Damir Rihtaric; Regie: Jasmila Zbanic; Drehbuch: Jasmila Zbanic; Kamera: Christine A. Maier; Musik: Enes Zlatar; Schnitt: Niki Mossböck

Auszeichnungen

Berlin (2006, Großer Preis (Goldener Bär) – Jasmila Zbanic)

Quelle: FAZ und Filmlexikon