Aus der Dunkelkammer meines Schreibens

Während ich schreibe fällt der Nebel, und die Bäume lassen ihre letzten Blätter.

Auf der Skala der Grautöne rangieren die Tage bei „Battleship Grey“.

Grau ist das, was bleibt, wenn die Farben ausgeblutet sind.

Alles kommt aus dem Grau und verliert sich darin.

Grau ist der Geist, der alles Bunte verneint.

Grau ist der Horror Vacui.

In der Fotografie werden Grautöne auch als Halbtöne bezeichnet. Allerdings wird die Wahrnehmung des reinen Grau, wenn absolut kein Farbstich vorliegt, durch benachbarte Flächen beeinflusst.

Mit dem Füllen der benachbarten Flächen rücke ich also dem Grau zu Leibe. Beim Baden in den Konnotationen von Grün zum Beispiel: Frische, Hoffnung, Zuversicht.

Nebenbei bemerkt: Der Duft von Japanischer Minze weckt das Gefühl, mehr über dem Wasser zu schweben denn darin zu liegen. Gedanken kommen und gehen wie eine kühle Brise über dem Berg. Als löse sich das Gewicht des Körpers von der Seele.

Der Natur ist es natürlich egal, womit wir unsere Vacuen füllen. Nicht sie ist es, die vor leeren Räumen zurückschreckt.

Wie sagte Herta Müller in einem Interview: „Die Landschaft steht intakt da, während du nicht weißt, wie es weitergeht. Irgendwie ist es ihr total egal.“

Die Natur gehorcht ihren eigenen Gesetzen. Gesetzen des Lichts zum Beispiel.

Peter Nadás kam beim täglichen Fotografieren der Wildkirsche vor seinem Fenster der Gedanke, „dass es keine Zeit gibt. Dass wir falsche Vorstellungen über Jahreszeiten und über die Zeit haben.“ Und stellt sich die Frage: „Wenn alles aus der Unendlichkeit kommt und in die Unendlichkeit geht, was ist dann die Zeit?“

Ich glaube, die Zeit ist ein Konstrukt unseres Gehirns. So wie die Farbwahrnehmung auch.

Grau enthält Rot, Grün und Blau zu jeweils gleichen Teilen. Die Helligkeit ist weder maximal (Weiß) noch minimal (Schwarz). Das ist das ganze Geheimnis. Und wenn die Tage wieder länger werden, werden die Farben neu gemischt.

Wem die Glocke schlägt

Wem die Glocke schlägt… das stumme Repetieren ließ mich heute nicht los. Zum Werke, das wir ernst bereiten, geziemt sich wohl ein ernstes Wort, wiederholte ich im Rhythmus der Schritte auf dem Weg zur Arbeit. Kaum saß ich am Schreibtisch, war jedes ernste Wort wie weggeblasen. Aber frisch gegoogelt und auf einen Spickzettel gebannt ließ sich zumindest auf dem Clo mit der ernsten Bereitung des Werkes fortfahren.

Mittags kamen noch zwei Zeilen hinzu: Wenn gute Reden sie begleiten, dann fließt die Arbeit munter fort. Zwischendurch musste ich allerdings das eine oder andere sehr ernste Wort mit mir reden, um die Arbeit, die eigentlich zu tun war, am Versiegen zu hindern.

Mit Einbruch der Dunkelheit verwandelte sich der Lehm, aus dem die Form gebrannt ist in Mehl, und das Werk, das den Meister loben sollte, bröselte wie Teig, den es noch lange zu kneten gilt.

Noch kommt der Segen nicht von oben. Das Hirn versucht, die ernsten Worte auszumerzen. Als stünde fest gemauert in dem Kopfe eine Form, die ihren Inhalt auf Biegen und Brechen zu verteidigen sucht.