WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf

I’m not that much into animated films, wie die Angloamerikaner sagen, aber WALL·E räumte mit jedem etwaigen Vorurteil von der ersten Minute an auf und eroberte mein Herz im Sturm:

WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf

Originaltitel: WALL·E, Verweistitel: Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf

Komödie, Science-Fiction-Film, Trickfilm

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2008
Produktionsfirma: Pixar Animation Studios/Walt Disney Pic.
Länge: 98 Minuten
FSK: o.A.; f
Erstauffuehrung: 25.9.2008/5.2.2009 DVD & BD/4.6.2011 SF 2/DRS
DVD-Anbieter: Walt Disney (16:9, 2.35:1, DD6.1 engl./dt.)

Produzent: Jim Morris, Lindsey Collins; Regie: Andrew Stanton; Drehbuch: Andrew Stanton, Jim Reardon; Musik: Thomas Newman; Schnitt: Stephen Schaffer

Inhalt

Auf der Erde ist seit 700 Jahren alles organische Leben weitgehend erloschen; nur ein beseelter Müllroboter sorgt unverdrossen für Ordnung. Als eine von menschlichen Kolonien entsandte Hightech-Drohne auf der Erde nach Leben suchen soll, glaubt der einsame Arbeiter, dass sich sein Traum von Zweisamkeit doch noch erfüllt. Mit dem Fund pflanzlichen Lebens aber droht die zaghafte Freundschaft der Roboter zu enden. Ein mitreißender, formal wie inhaltlich radikaler Animationsfilm, der in der ersten Hälfte sein bezauberndes audiovisuelles Abenteuer nahezu ohne (menschliche) Dialoge entwirft. In der zweiten Hälfte fokussiert er nicht weniger begeisternd auf Action, Spannung und seine ökologische Botschaft.

Quelle: Filmlexikon

One Cent Life

Die Hoffnung auf das gleichnamige Gedicht von Walasse Ting muss ich wohl fahren lassen. Was bleibt ist die Möglichkeit, dereinst vielleicht in der Universitätsbibliothek Düsseldorf einen Blick in das gleichnamige Künstlerbuch werfen zu können und last but not least die Erinnerung an den Besuch der Ausstellung „Kunst der Sechziger“ des Kunstvereins Nümbrecht mit Kater und Sohn.

Und die Moral von der Geschicht: Gehe nie in eine Ausstellung ohne Notizbuch und Stift nicht.

Bist du bereit, deinem Schöpfer zu begegnen?

Letzte Woche habe ich in der Asbury Press eine Geschichte gelesen, die noch immer in mir brennt wie eine Nessel. Eigentlich war es eine typische Nachricht, wie wir sie jeden Morgen lesen, sie versetzt uns einen tiefen, sich ausbreitenden Stich des Schocks und Grauens, und wir starren eine Weile in den Himmel, dann wendet sich das Auge anderen Themen zu – Prominentengeburtstagen, Sportmeldungen, Todesanzeigen, neuen Immobilienangeboten -, was uns zu anderen Sorgen bringt, und am Spätvormittag haben wir sie schon vergessen…

Richard Ford, „Die Lage des Landes“

Ein 683 Seiten starker Wälzer, den ich bei Thalia aus der Wühlkiste fischte. Nicht gerade die Buchhändler meines Vertrauens, aber Wühlkisten mit Büchern darin üben nun mal eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Den Laden selber kann man vergessen. Zufällig lag er vis-à-vis dem Saturn, wo uns eigentlich die Schnäppchen aus der CD-Abteilung, nämlich die der Sparte Jazz interessierten. Dafür waren Thomas und ich eigens nach Bergisch-Gladbach gefahren, und dafür dass es sich allem Anschein nach um ein auslaufendes Sortiment handelt, war die Ausbeute auch hier nicht gering:

Draußen fand ich es an diesem Tag ungemütlich kühl, ja, ich war total durchgefroren, als wir auf dem Weg zurück zum Auto noch im Café Galerie einkehrten, und alle Sinne standen mir eigentlich nach einer heißen, dampfenden Suppe. Die Küche dort schien allerdings mit einer geschlossenen Gesellschaft im angrenzenden Nebenraum alle Hände voll zu tun zu haben, zwei Frauen schienen das Lokal ganz alleine zu schmeißen, und so begnügte ich mich mit einer heißen Schokolade. Wieder zuhause legten wir uns dann gleich mal „Fuego“ auf. Eric Dolphy war erst am nächsten Tag dran und außerdem hatten wir eine Woche zusammen, aber seitdem nennt Thomas es das Eric-Dolphy-Wochenende.

Niagara

Wohl dem, der sich bei seinem Gegenüber nicht entschuldigen muss, weil ihn diese Lektüre so gefangen nimmt, dass der immer wiederkehrende Griff zum Buch zur geflügelten Geste des Tages wird – bis die letzte Zeile gelesen ist…

…Es stimmt: Überall in Niagara Falls ist die Luft am 21. September 1978 muffig, schwer, kaum zu atmen, hat die Beschaffenheit verrotteter Fasern, gefiltert durch eine beizende, senfgelbe Sonne. Aber hier im Prospect Park, in der Nähe der Niagaraschlucht, ist die Luft frisch, als sei sie elektrisch aufgeladen. Man möchte leben. Man möchte ewig leben. Die Bläser, die sich jetzt außer Sichtweite zurückziehen und Spucke  aus ihren funkelnden Instrumenten schütteln, sind Emissäre des Staunens. Auf dem Podium, wo der erste Redner spricht, strahlt eine mit Eiswasser gefüllte Vase in vielfach gebrochenem Licht. Von den Niagarafällen herangewehte, mit Feuchtigkeit gefüllte Luftpartikel zittern im Licht. Während der anderthalb Stunden dauernden Gedenkfeier für Dirk Burnaby 1917-1962, in denen die Sonne zwischen Wolkenfetzen verschwindet und wieder auftaucht, erscheinen manchmal Regenbögen am Himmel über der Schlucht. Sie sind so schwach, so zart, kaum mehr als eine optische Täuschung. Schaut man ein zweites Mal hin, sind sie wieder weg.

Joyce Carol Oates, „Niagara“

Geburtstagsgeschenke

Den Film erstmals im November 2005 auf arte gesehen…

Damals war die Musik von Miles Davis noch ein Buch mit sieben Siegeln für uns, was in dem Zusammenhang gar kein so abwegiges Bild ist. Die Apokalypse nach Johannes nimmt mit dem Öffnen der sieben Siegel an einer beidseitig beschriebenen Buchrolle durch das Lamm Gottes ihren Lauf. Das Brechen des letzten besiegelt sprichwörtlich das Ende der Welt. Sie wird durch sieben Engel mit Posaunen und einem achten mit dem Rauchfass verheert…

(Quelle: wikipedia)

Nun spielte Miles Davis nicht Posaune sondern eine goldene Trompete und sah nicht eben aus, wie man sich gemeinhin einen Engel so vorstellt, aber etwas Apokalyptisches im Sinne einer Offenbarung hat die Beschäftigung mit seiner Musik zwischenzeitlich durchaus gewonnen…

Download Miles Davis, „Generique“

1863-1944

„Bilder vom Leben und vom Tod“

Ich habe die Linien und Farben gemalt, die mein inneres Augen berühren. Ich malte aus dem Gedächtnis, ohne etwas hinzuzufügen, ohne die Details, die ich nicht mehr vor Augen hatte. Daher die Einfachheit der Gemälde – die offenkundige Leere. Ich habe die Eindrücke meiner Kindheit gemalt. Die trüben Farben eines vergangenen Tages.

Edvard Munch

Die Vögel brüllten wie irr

Für mich als Kleinstadtpflänzchen hat das Ankommen in ländlicher Idylle immer wieder etwas Eigenartiges. Die plötzliche Ruhe rundum besitzt eine andere Qualität als der Rückzug in die eigenen vier Wände einer Stadtwohnung. Die Geräuschkulissen sind nicht zu vergleichen. Hier ein vorherrschender Grundpegel von Straßenverkehr und Menschengewimmel, dort Vogelgezwitscher und der sofort als Ruhestörung empfundene Lärm diverser Aktivitäten in Nachbars Garten. Hier gehen wir in die Cafébar, dort laden schönes, windstilles Wetter zum Federballspiel ein.

Weil die Schläger unauffindbar waren, entschlossen wir uns am Vorabend, noch an die Brucher zu fahren. Thomas wollte zum ersten Mal in diesem Jahr die Wassertemperatur testen. Mir ist sie grundsätzlich zu kalt, aber ich liebe es auch, ihm beim Schwimmen zuzusehen. Wenn er seine Arme ausbreitet und das verdrängte Wasser in sanften Wellenbewegungen von seinem Körper weg strebt, sieht das aus, als flöge er, nur in einem anderen Element. Noch schöner wirkt es im Sonnenlicht, während sich an diesem Abend allmählich eine empfindliche Kühle über die Wasseroberfläche senkte, auf der sich schon der zu zwei Dritteln seiner vollen Größe angeschwollene Mond spiegelte.

In mein Unterbewusstsein drang am nächsten Morgen ein so unerhörtes Vogelgebrüll, dass ich am liebsten laut fluchend zurück gebrüllt hätte. Dennoch hatte ich alles in allem gut geschlafen, was nicht immer der Fall ist in der ersten Nacht, und so war ich auch Thomas‘ Vorschlag, das herrliche Wetter für einen Spaziergang zu nutzen, durchaus zugetan.

Die vielen Talsperren der Gegend laden alle zu ausgiebigen Fußmärschen ein, die Umrundung der einen oder anderen kann unter Umständen sogar eine regelrechte Herausforderung darstellen. Ich erinnere mich da an die Neye, die uns in einem der ersten Jahre bei Wind und Wetter an den Rand der Erschöpfung zu treiben vermochte. Diesmal nun sollte es die Agger sein. Nur ein kleiner Spaziergang die Staumauer entlang und ein Stückchen den Wald hinein. Frische Luft in Hülle und Fülle. Ideales Wanderwetter. Es dauerte nicht lange, da knöpfte ich mir allerdings den Mantel auf. Die flotte Gangart, in der wir forsch dahin schritten, zeigte ihre Wirkung. Auch die Sonne, die an lichten Stellen die Luft doch ziemlich erwärmte, tat ihr Übriges. Nach kurzer Zeit schon musste ich ihn ganz ausziehen. Irgendwo nahmen wir dann jene Abzweigung, die uns auf die große Runde um den gesamten Stausee führte. Als Thomas es schließlich bemerkte, war es schon zu spät. Ich kannte mich ja ohnehin nicht aus. In meinen guten alten, zum Glück ordentlich eingetretenen „Think“-Schuhen trabte ich eher nicht denkend an seiner Seite. Irgendwo würden wir schon heraus kommen. Linker Hand knatterte das Tuch eines Seglers im Wind, der in immer neuen, scharfen Wendungen den schmalen Wasserarm hinauf oder hinunter manövrierte, immer hart Backbord, hart Steuerbord im Wechsel. Eine andere Möglichkeit, das Gewässer zu befahren, schien es nicht zu geben. Wie ein zu groß geratener und dadurch etwas plumper Vogel, der seine Flügel nicht spreizen und einfach davon fliegen konnte.

Wir sprachen nicht viel. Schon gar nicht darüber, wie lang die Strecke womöglich noch sein würde, die vor uns lag. Das war auch gar nicht nötig. Ab und zu war der Blick frei auf unseren Ausgangspunkt, die Sperrmauer. Manchmal schien die Entfernung auch zu schrumpfen, dann wieder bildete der Wasserarm eine seiner zahlreichen und heimtückischen Abzweigungen, und auf den Weg zu unseren Füßen senkte sich eine riesige, imaginäre Zeitlupe. Ein gutes Stück führte er die Straße entlang, auf der wir her gefahren waren, aber es dauerte lange, bis ich endlich das ein oder andere wieder erkannte und noch ein bisschen länger, bis schließlich der Parkplatz in Sicht kam.

Aggertalsperre (Bildquelle: wikipedia)

Help the Lady with the suitcase

Wenn das eigene Süppchen über Wochen und Monate auf Sparflamme kocht, macht deren plötzliches Auflodern manchmal Angst. Angst, ich könnte dem Aufschäumen, dem Überkochen des Lebens gar nicht mehr gewachsen sein.

In meinen Koffer hatte ich Wochen, Monate zuvor herumliegende Bücher gepackt, die ich jetzt kurzerhand im Zimmer der Tochter stapelte. Vorübergehend, denn offiziell ausgezogen ist sie ja noch nicht. Dann suchte ich meine Siebensachen zusammen und führte ihn nach einem halben Jahr wieder einmal seiner eigentlichen Bestimmung zu.

Den Wecker hatte ich auf 4.30 Uhr gestellt, wachte jedoch erst eine Stunde später auf. Nichtsdestotrotz war ich nach weiteren 60 Minuten reisefertig. An einem Pfingstsonntagmorgen um 6.30 Uhr, das Taxi überpünktlich draußen vor der Tür. Noch keine Glocken, die zur Heiligen Messe läuteten, nur ein armer Sünder, der sich unweit im Viertel immer vehementer die Seele aus dem Leib schrie, während sich die Polizei vergeblich Einlass zu verschaffen suchte.  Auf dem Weg zum Bahnhof kam uns nur die Feuerwehr entgegen.

Ungewohnt leise war es auf den noch fast menschenleeren Bahnsteigen. Nur die Krähen schrien hier, und in der Ferne hing ein dichter Morgennebel über den Gleisen. Der plötzlich vorbei donnernde Güterzug wirkte wie ein führerlos durch den Raum stürzendes Relikt aus einer anderen Zeit.

Der Intercity, aus Passau kommend, war noch so leer, dass ich zunächst ein ganzes, altmodisches Abteil für mich beanspruchen und mich darin ungeniert häuslich niederlassen konnte. Ich wartete die Fahrscheinkontrolle ab, dann zog ich meine Schuhe aus, legte die Füße hoch und ließ meinen Blick eintauchen in ein Nebelmeer, das die Landschaft am Streckenrand vollkommen verschluckt hatte. Während ich in Gedanken noch einmal die gepackte Garderobe checkte, brach der Zug plötzlich wie durch eine Wand. Als hätte eine unsichtbare Hand einen Vorhang gelüftet, erstreckten sich Wiesen und Felder auf einmal in sattem Grün gen Horizont, darin eingebettet in leuchtenden Rechtecken der gelb blühende Raps, und die luftig leichte, von der Sonne durchflutete blaue Decke des Himmels schwebte über allem. Kurz darauf rief Thomas an. Alles auf dem Weg.

Zeit für einen Kaffee. Das Bistro war leer bis auf den Ober, der an einem der Tische mit dem Rücken zu mir saß und regelrecht aufschrak, als ich ihn unvermittelt von der Seite ansprach. Natürlich gab es schon Kaffee, dabei berührte er mich lachend und mit leichter Hand an der Schulter, so dezent und kurz, dass ich es ihm einfach nicht übelnehmen konnte.

In Nürnberg war es dann vorbei mit den Annehmlichkeiten des Alleinseins in meinem Abteil, und ab Würzburg gab ich meinen Fensterplatz zugunsten eines Vaters und seines Sohnes auf. Dafür konnte ich ab Koblenz den Blick auf das obere Mittelrheintal genießen, das auf der anderen Fensterseite am Gang vorüber zog. Ich liebe diese Strecke.

Zwischendurch lauschte ich immer wieder den Gesprächen meiner Mitreisenden, was sich nicht vermeiden ließ, weil der Junge in einem einzigen Monolog fast pausenlos redete. Dabei wandte er den Blick nicht einmal ab vom Fenster. Selbst dann nicht, wenn sein Vater ihn ab und zu in einer angenehm sanften Art und Weise unterbrach und die eine oder andere konstruktive, manchmal auch leise korrigierende Zwischenbemerkung einflocht. Interessant war, dass der Mann ausschließlich Englisch mit seinem Sohn sprach, dieser dagegen konsequent Deutsch.

Kurz nach 14 Uhr fuhren wir in Köln ein. „Help the Lady with the suitcase“, hörte ich gerade noch eine Stimme hinter mir, während ich schon im Begriff war, meinen Koffer die beiden Stufen hinunter auf den Bahnsteig zu hieven. Thomas hatte ich längst erblickt.