seichte Fährte des Lichts schweifend im milchigen Mittag

seichte Fährte des  Lichts schweifend  im milchigen Mittag

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Versuchsanordnung

Mother & Child
Sonderweg Fußgänger

Wie Motten, die genug vom Licht haben, fallen die Blüten von meiner Königin der Blumen. Während meine Tochter mir mit Verve und Vehemenz am Küchentisch auseinandersetzt, woran es liegt, dass aus der jüngsten Liebschaft nun doch nichts wird, löst sich die letzte Blüte vom Stengel und fällt raschelnd zu Boden. (Dieses Kind. Erzählt mit demselben Temperament, mit dem es dereinst darauf drängte, das Licht der Welt zu erblicken und jetzt in sie hinaus will.) Sie zeigt mir den Entwurf eines filigranen Blumenmusters. Im Geiste gieße ich die noch fehlende Farbe hinein für ein Feld aus Rotem Mohn. Solange es den Klatschmohn gibt, muss gelebt werden.* Ich zeige ihr das Winterquartier für meine Königin der Blumen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Nach der Blütezeit soll man sie vergessen. Einen grünen Daumen hatte ich noch nie. Eine schlichte Versuchsanordnung, das vermeintlich Unmögliche möglich zu machen. Am Abend sehen wir eine Dokumentation über die Waffenarsenale, die nach dem Weltkrieg tonnenweise ins Meer gekippt wurden. Tonnenweise Giftstoffe, die im Begriff sind, aus ihrer durchrostenden Ummantelung zu diffundieren. Wir fragen uns, welche Blüten das noch treiben wird. Ob es irgendwann überhaupt noch Blumen geben wird. Als ich meine Tochter am nächsten Tag auf den Weg bringe, lichtet sich gerade der Morgennebel. Aus den Dunstschleiern schält sich immer wieder schemenhaft auch die Hoffnung auf Herbstzeitloses.

*Zitat: Sorab Sepehri