No dar papaya

No dar papaya, is a common expression unique to Colombia which means show no vulnerabilities and present no easy target…

Andernorts trugen Mädchen Schuluniformen. Lange Zeit, eine sehr lange Zeit musste ich um eines dieser kurzen, dunkelblauen, plissierten Röckchen bitten und betteln. A vertically hanging piece of fabric such as a skirt or a drape will often be described in terms of its „fullness.“ An einem Sonntagvormittag im April saß ich schließlich neben meinem Vater im Auto. Zu einer Zeit, da es einer besonderen Belohnung gleichkam, als Kind auf dem Beifahrersitz Platz nehmen zu dürfen. Wir fuhren über eine Grenze, fremdes Territorium betreten. Fast wie etwas Verbotenes tun. Ganz tief in meinem Innersten fühlte ich: Ich bin frei.

Auch Klimaanlagen gab es noch keine. Durch die Frontscheibe prallte ungebremst die Sonne in meinen Schoß und ergoss sich wie ein warmer Wasserfall über meine nackten Oberschenkel unter dem heißgeliebten Röckchen. Selbst meine Mutter war einem ihrer Prinzipien untreu geworden an diesem Tag im April: Keine Kniestrümpfe in einem Monat mit „r“! Einer jener seltenen Momente, in denen ich Anteil hatte an der Fülle des Lebens, ja, für den Augenblick sogar die Anwesenheit des Vaters vergaß. Ich zog das dunkelblaue Tuch ein Stückchen weiter über die Beine und entblößte meine Knie.

Ohne Worte legte sich eine schwere Hand auf meine Beine und schob den gefältelten Stoff mit einem Ruck zurück. Ich hatte eine Grenze überschritten. Ich war nicht frei.

Hundstage (In Gedanken)

Like a knife in a mango, Autumn slices Summer.

Ich esse keine Flugfrüchte. Weder Mangos noch andere Exotica. Ich weiß also überhaupt nicht, wie es sich anfühlt, wenn des Messers Schneide in die Mango fährt. Wie es sich anfühlt, wenn der Herbst den Sommer filettiert durchaus.

Es war einmal… in the dog days of summer as muslin curls on its own heat and crickets cry in the black walnut tree.

Musselin. Ein lockerer, feinfädiger und glatter Stoff, der wegen der ursprünglich verwendeten orientalischen Muster nach der Stadt Mosul im heutigen Nordirak benannt ist und aus Baumwolle oder Wolle in Leinwandbindung gewebt wird, schreibt Wikipedia. Ich erinnere mich nicht, Musselin jemals auf einem Label gelesen zu haben. Seit es Chemiefasern gibt, seit Anfang des 20. Jahrhunderts, heißt es Viskose. Die Blütezeit des Musselin liegt lange zurück. Ende 18./Beginn 19. Jahrhundert. Erkältungskrankheiten wurden damals als Musselinkrankheit bezeichnet, weil viele Frauen die während des Empire und Directoir beliebte Mode à la Grecque auch im Winter trugen.

Bei Musselin denke ich an französische Filme, die typische akustische Melange aus zirpenden Grillen und rauschenden Blätterkronen im Wind und natürlich an weibliche Protagonistinnen in klitzeklein geblümten Sommerkleidern. Musselin ist der Stoff aus dem meine flirrendsten Hitzeträume gewebt sind.

Für die Jahreszeit [und für Musselin] zu kalt, verkündet der Wetterprophet. Von Hundstagen keine Spur.

Bei Hundstagen denke ich an Himbeeren. Die esse ich schon. Sofern sie aus heimischen Gärten stammen. Im Moment werden sie in kleinen Schälchen auf dem Wochenmarkt feilgeboten. Hundstage hin oder her. Ich würde sie auch in rauen Mengen verschlingen, allein: In rauen Mengen sind sie unerschwinglich. Himbeeren wecken Kindheitserinnerungen. Wie Wildtauben. Wildtauben + Himbeeren = Hundstage.

Ich im türkisfarbenen NylonnachthemdHundstage. Als wir den lieben Gott noch ungeniert um schönes Wetter baten, wenn es an einem von ihnen ausnahmsweise einmal regnete. Mit gefalteten Händen und flehenden Blicken gen Himmel. Es dauerte nie lange, und der Herr ließ sein Angesicht leuchten über uns, während sich zu unseren Füßen der Märchengarten erstreckte und weit über unsere Köpfe hinausragte. Das Gurren der Wildtauben betörte uns wie ein vieldeutiges Versprechen aus seinen tiefsten Tiefen. In rosa- und türkisfarbenen Nylongewändern [in Wahrheit handelte es sich natürlich um allerfeinstes Gewebe à la Musselin] wandelten wir darin wie Prinzessinnen aus Tausend und einer Nacht. Nur manchmal verfing sich die eine oder andere Spitze in den Ranken der mannshohen Himbeersträucher, und die Lust am Abenteuer strandete in den hohen Gassen eines gefühlten Labyrinths. Aber der Rote Faden war immer das Gurren der Wildtauben. Wie eine Zauberformel beschwört es noch heute den Sommer herauf. Den Sommer und wir mittendrin.

Dahin dahin. Um ihnen dennoch zu huldigen, den Hundstagen, die keine sind, kaufe ich ein Schälchen Himbeeren. Meine Suche nach einem schönen Bell Jar blieb für heute erfolglos. Scheint wohl gerade nicht in zu sein. Schade. Mir schwebten da nämlich ein paar Aufnahmen vor… Himbeeren an Taubenfeder auf Musselin. Andere werden folgen.

Timmy’s Playground

Timmy's PlaygroundLange keine Fotos gemacht. Manche Bilder entstehen auch nur in meinem Kopf. Das der drei jungen Männer auf einer Bank im Einkaufszentrum, zum Beispiel. Jeder von ihnen hält ein Smartphone in der Hand. Ihre Köpfe sind tief gebeugt über dem jeweiligen Display. Sie wirken sorgenvoll und ernst und dem Trubel um sie herum wie entrückt. Was mag wohl gerade in ihnen vorgehen? Welche Bilder ziehen an ihren geistigen Augen vorüber? Welcher Art sind die Nachrichten, die sie verfolgen? Oder die sie in die ferne Heimat schicken? Um den Moment festzuhalten, könnte ich mich hinstellen und einfach auf den Auslöser drücken. Oder sie ansprechen und in den Trubel zurückholen. Dann müsste ich sie bitten, noch einmal dieselben Posen einzunehmen und eine Szene zu mimen, die ich unterbrochen habe. Beides traue ich mich nicht und gehe einfach weiter. Mit einem Bild, das seitdem in meinem Kopf weiterlebt.