Die Fünfte Jahreszeit

Um leblose Erlebnisse kam ich am besten herum, wenn ich still irgendwo saß, ein Haus oder eine Wand anschaute und dabei, zum Beispiel, dem kindischen Lärm eines fernen Rummelplatzes zuhörte.

Wilhelm Genazino, aus den Notizbüchern von Sätze&Schätze

Rummelplatz
Rummelplatz

Seit einer Woche tost in unserer Kleinen Stadt nun schon die Fünfte Jahreszeit. Irgendwie kann man sich ihr kaum entziehen. Die zum Festplatz pilgernden Heerscharen sind allgegenwärtig. Entweder du gesellst dich zu ihnen oder sitzt still irgendwo an der Peripherie und lauschst ihren Hymnen.

Der geneigte Leser imaginiere an dieser Stelle eine Kakophonie aus einschlägigen Tonspuren. Das Sausen und Brausen der Schleudersitze über dem Inferno, das Kreischen der darin baumelnden Armen Seelen und den Lobgesang Wolfgang Petrys auf den Wahnsinn und die Hölle Hölle Hölle.

Wie auch immer. Hörst du lange genug hin, tut sich irgendwann das Auge dieses Feuersturms auf. Und: Wenn du lange genug in seinen Abgrund blickst, blickt der Abgrund irgendwann auch in dich hinein.

Mit der Schwester also an der Peripherie dieses Abgrunds gesessen und – ein bisschen trunken vom mitgeführten Wein – den Blick vorsichtshalber nur ins heilignüchterne Wasser getunkt. Wohin die eine Hälfte unserer Leben entschwunden ist, erscheint in seinem Spiegel ebenso ungewiss wie das, was die andere noch zu bringen gedenkt. Beide wirken in unendliche Fernen gerückt. Nur unser Lachen schwingt sich auf, und weht wie ein Fähnlein im Wind über all das hinweg. Bis hierher und nicht weiter. Weiter wollen wir gar nicht wissen von uns und für den Moment.

Ach, ist doch alles eins, hätte unsere Großmutter jetzt gesagt und dabei mindestens so schallend gelacht wie wir.

Stöckchenhausen

IMG_3029Seit Monaten dachte ich darüber nach, wie es wohl wäre, wieder mit einer Katze zu leben.

Obwohl, nachdenken kann man es eigentlich nicht nennen. Um einen wirklich klaren Gedanken zu fassen, müsste ich imstande sein, den schmalen Grat der Erschöpfung, an dem ich mich entlang hangele, endlich einmal zu verlassen. Allein, echte Landgewinnung will mir nicht gelingen. Die flackernde Funzel am Ende des Tunnels ist ein zu schwaches Licht, um das Dunkel so weit zu erhellen, dass sich daraus ein konkretes Konzept ableiten ließe. Und so ist jegliche Idee lediglich ein Irrlicht ohne Substanz an meinem geistigen Horizont und verschwindet so schnell wieder, wie sie sich durch nicht weiter fassbare Polaritäten aufgeladen haben mag. Ermüdend ist das, und die allgegenwärtige Erschöpfung macht es mir unmöglich, ein Gegengift zu finden. Ich tue das, was sich wie ein Roter Faden durch mein Leben zieht: warten auf eine Kaiserliche Botschaft, die bekanntlich nie eintrifft: Du aber sitzt an deinem Fenster und erträumst sie Dir, wenn der Abend kommt.

Könntest du dein Leben noch einmal leben, würde es vielleicht so sein, wie es der Schatten, der dir voraus eilt, immer suggeriert hat: zielstrebig und zupackend, denke ich, während ich die immer gleichen Wege gehe, die das Tagesgeschäft mir vorschreibt. Manchmal möchte ich gar nicht mehr aufstehen oder aber in den nächstbesten Zug steigen und auf und davon. Dazwischen scheint es nur diesen schmalen Grat zu geben, den ich so wenig wie möglich ernst zu nehmen versuche, denn anders wäre er nicht zu ertragen.

Im Moment würde ich mein letztes Hemd geben, wenn Heimat ein Ort wäre, an den ich mich jetzt zurückziehen könnte. Stattdessen rächt sich in der Tat die Vergangenheit, die wie ein schlecht erzogenes Kind ihr Unwesen treibt. Diesem Kind war es nie gegeben, sich einen solchen Ort zu erschaffen. Heimat war und blieb bis heute für mich das, was Lene Lovich als Staccato ihrer Kehle abringt, just emotion, sticking in my throat. Home is hard to swallow, home is like a rock. Home is good clean living, home is – I forgot. Let’s go to your place…

Heimat kann sehr weit weg sein, wenn sie sich nicht in einem selber verorten oder einen das Herz verlieren lässt. Home is, will you miss it, home is, I don’t know. Ein Ort, der mit jedem Verlust einerseits in immer weitere Ferne rückt. Andererseits könnte in diesem Gefühl die Rolle begründet liegen, die die Toten in meinem Leben spielen.

Mein Vater zum Beispiel. Lange Zeit lebte ich mein Leben in dem Glauben, es wäre besser gewesen, wenn ich ihm nie begegnet wäre. An meine letzte Ohrfeige erinnere ich mich nicht, stattdessen daran, wie mein Vater mich an der Gurgel packte und mir drohte, mich umzubringen, wenn er mich beim Rauchen oder mit einem Jungen erwischen würde. Ich nahm ihn beim Wort. Am Ende hätte es ihn vielleicht froh gemacht, von mir eine Zigarette angeboten zu bekommen und mit mir gemeinsam seinen Enkelkinder beim Spielen zuzusehen, während alles, was jemals zwischen uns stand, in Schall und Rauch aufgegangen wäre. Aber dazu kam es nicht. Als er starb, hatte ich ihn über zwanzig Jahre nicht gesehen, und es erschien mir nur konsequent, auch seinen Tod zu ignorieren. Auf die Dauer funktionierte das natürlich nicht, aber damit auseinandersetzen konnte ich mich erst, nachdem der Vater meiner Kinder gestorben war. Seitdem hole ich ihn Stück für Stück in mein Leben zurück und damit ein Viertel meiner Lebensgeschichte, die ich lange Zeit gerne gestrichen hätte.

Der Tod oder la mort trägt für mich die Maske dessen, den er oder sie holt. Mir persönlich begegnete er bislang immer in der Gestalt eines Mannes. Merkwürdig eigentlich. Auch dass ich keine Lieblingsmalerin benennen kann, auch darüber sollte ich nachdenken.

Kurz bevor er starb, erzählte mir mein erster Mann die Geschichte eines Schwangerschaftsabbruches seiner Mutter, der wiederum von deren Mutter vorgenommen worden war. Wir schreiben das Jahr 1955 in Chile. Er ist sechs Jahre alt, als die Großmutter mit ihm und dem in ein weißes Tuch gehüllten Fötus in den Wald geht, um das tot geborene Kind zu begraben. Noch fünfzig Jahre später trieb ihm die Erinnerung den Angstschweiß auf die Stirn. Ich verstand erst im Nachhinein, dass er im Grunde über seine Furcht vor dem Tod sprach, der im Begriff war, ihn einzuholen. Seitdem verfolgt mich dieser kleine Funke eines Lebens, der verglühte, noch bevor er das Licht der Welt erblickte, wie es immer so schön heißt. Es war ein Mädchen, aber der Grund, warum la mort in diesem Fall die Gesichtszüge einer Frau trägt, ist eigentlich die Großmutter, die ihm den Tod gebracht hat.

In diesem Zusammenhang über meinen ersten Kuss zu schreiben, erscheint irgendwie makaber, aber, wie sollte es anders sein, Geburt und Tod, Leben und Sterben liegen eben eng beieinander. Meinen ersten Kuss bekam ich vom Vater meiner Kinder. Meine erste Katze übrigens auch. Absolute Unerfahrenheit prallten auf das genaue Gegenteil. Ich war eine Spätzünderin und er 15 Jahre älter als ich. Der Rest ist ein weiteres Viertel meiner Lebensgeschichte mit sämtlichen Hochs und Tiefs, die der geneigte Leser mit entsprechend Phantasie sich vielleicht vorstellen kann.

Ich denke, damit die Fragen der Mützenfalterin in einer Momentaufnahme beantwortet zu haben. BisKater auf eine: Was mir Mut macht. Hier schließt sich der Kreis. Mir ist nämlich eine Katze zugelaufen. Sie kam über die Dächer direkt durch mein geöffnetes Küchenfenster herein spaziert und tut seitdem so, als wäre sie hier schon immer und ewig zu Hause. Jeder, der die Aussicht kennt, die sich dem Auge des Betrachters aus meinem Küchenfenster bietet, hält dies für einen Zufall, der gar nicht erst als glücklich interpretiert werden muss. Er ist es schlicht und ergreifend. Denn die Aussicht, dass auf diesem Wege mein leise vor sich hin schwelender Wunsch in Erfüllung hätte gehen können, tendiert gen Null. Niemand weiß, woher sie tatsächlich kommt, wie sie auf die Dächer kam, niemand vermisst sie.

Sie ist eigentlich ein Kater. Nachdem er nun seit einer Woche hier haust, habe ich beschlossen, ihn zu behalten, und nach weiterer reiflicher Überlegung ihm auch einen Namen gegeben: Kafka. Kafka will jetzt spielen, deshalb schließe ich an dieser Stelle. Es gilt: Mir das letzte Viertel meines Lebens zu erobern und natürlich: meine Lieblingsmalerin ausfindig zu machen.

Spezialeffekte

Die blauere Stunde ist die am Morgen. Wenn die Reise eines langen Tages in die Nacht beginnt, die Straßen gesäumt von in sich zusammen gefallenen Häuflein Schnee. Leicht und schwerelos wie Schirmflieger einer Pusteblume zerstreut sich langsam in alle Himmelsrichtungen das Bild des Mondes am Firmament. Der Fahrer plappert pausenlos, doch den Moment kann er mir nicht nehmen. Hauchdünn wie die allmählich verwehenden Dunstschleier ist die Membran, die mich umgibt. So durchsichtig wie das Fensterglas, durch das ich meine Blicke werfe. Hinaus hinaus. Vibrierend im Dröhnen des Automotors, während draußen ein Luftfahrzeug seinen tonnenschweren Rumpf stumm in den blauen Morgenhimmel hievt und doch stillzustehen scheint. Zum Greifen nah und doch so fern. Meilen und Minuten verschmelzen im Standbild des grauen Reaktorblocks, das als Monument für die Manipulation von Raum und Zeit am Horizont gefriert.

DruckwasserreaktorNichts bewegt sich, nur die Nadel auf dem tellergroßen Tacho bohrt sich wie ein Pfeil immer tiefer in den dreistelligen Bereich. Die Zeit zwingt zum Diktat, und ich lese auf, was auf der Strecke bleibt.

Zuflucht hinter der Zeit, so der ursprüngliche Titel eines Romans der österreichischen Schriftstellerin Hannelore Valencak, der dem Film Fenster zum Sommer von Hendrik Handloegten als Vorlage diente. So schön hat noch keiner den Wechsel von Zeit- und Bewusstseinsebenen ins Bild gesetzt. Der wunderbaren Nina Hoss schien ihre Rolle einmal mehr wie auf den Leib geschneidert. Die Süddeutsche schrieb:

Das Science-Fiction-Szenario ist in Fenster zum Sommer ein bloßes Gedankenspiel – der größte Spezialeffekt ist das Wetter, das magische Licht der finnischen Mittsommernächte, und im Kontrast dazu das frostige Grau der Berliner Februartage, die diskret verwirrenden Sirenenklänge des Soundtracks von Timo Hietala beschwören dazu das Unerklärliche. Souverän jongliert Handloegten mit Rückblenden und Erinnerungen, mit verschiedenen Filmmaterialien und Lichtverhältnissen. Zwischen Fakten und Ahnungen, zwischen brutaler Evidenz und fragiler Flüchtigkeit hält er seinen Film in der Schwebe, hier das Krachen eines Unfalls, der den Tod bringt, dort die flüchtige Berührung in einer überfüllten Trambahn, die der Anfang einer großen Liebe ist.

Mich traf der Film jedenfalls mitten ins Herz, und jetzt wird er mich wieder für Tage in einer Art Paralleluniversum gefangen halten. Die Szene vom Unfalltod erinnert im übrigen an die persische Legende, die Gaito Gasdanow in Das Phantom des Alexander Wolf zitiert:

Zum Schah kam einmal sein Gärtner, in höchster Aufregung, und sagte zu ihm: Gib mir dein schnellstes Pferd, ich möchte so weit wie möglich fortreiten, nach Isfahan. Gerade als ich im Garten arbeitete, habe ich meinen Tod gesehen. Der Schah gab ihm das Pferd, und der Gärtner sprengte nach Isfahan. Der Schah ging in den Garten; dort stand der Tod. Er sagte zum Tod: Weshalb hast du meinen Gärtner so erschreckt, weshalb bist du ihm erschienen? Der Tod erwiderte dem Schah: Ich habe das nicht gewollt. Ich war erstaunt, deinen Gärtner hier zu sehen. In meinem Buch steht geschrieben, ich würde ihm heute Nacht weit von hier begegnen, in Isfahan.

Der größte Spezialeffekt ist also das Wetter. Oder um es in Ermangelung eines an dieser Stelle adäquat anknüpfenden Schlusswortes mit Tom Waits zu sagen: That wraps up the weather for this evening. Now back to the eleven o’clock blues.

Vollständige Entlastung

Wenn man einmal auf diesem vermaledeiten Stuhl gelandet ist, sagte ich heute zu meiner Zahnärztin. Das „vermaledeit“ behielt ich natürlich für mich. Und den Stuhl trifft eigentlich auch keine Schuld. Schuld ist der Kaugummi, den ich während des Einkaufs bei Edeka gestern zwischen meinen Backenzähnen zermalmte und an dessen zäher Masse ein Brocken Füllung kleben blieb. Vermaledeiter Kaugummi, also, diese leicht verformbare, meist süß, manchmal auch sauer schmeckende Masse, auf der man oft einige Stunden lang kauen kann, ohne dass sie zerfällt. Die Masse nicht, nein, aber eine Zahnfüllung. Vor allem, wenn sie groß ist.

Das Kaugummikauen ist lediglich ein Ablenkungsmanöver mit Placeboeffekt. Wenn die herkömmlichen Mittel nicht wirken, hilft wenigstens das, obwohl kein vermeintlicher Experte hierfür eine angemessene Erklärung parat haben dürfte.

Genoss ich halt heute mal wieder den Ausblick aus dem vorläufigen Wartezimmer meiner Zahnärztin, wenngleich es sich hierbei um ein Foto vom 26. Januar handelt:

Nasser ist es heute. Windig und mild. Die dünne Schneedecke, die zwischenzeitlich wie ein weißes Laken über den Dächern der Stadt lag und die Welt in einer Art Schwebezustand zu halten schien, sie schmilzt langsam aber stetig dahin. Die weißen Laken rutschen von den Dächern und bringen wieder alles Mögliche zum Vorschein. Den Taubendreck beispielsweise, der immer noch wie Pech und Schwefel an der Blechverkleidung dieser kleinen Hinterhofansicht klebt.

Als ich nach der Reparatur meines Malheurs mit einem kleinen Kittklumpen wieder zuhause war, schaltete ich den Deutschlandfunk ein. Wulfman Christian:

…Alle sollen sich zugehörig fühlen, die hier bei uns in Deutschland leben, eine Ausbildung machen, studieren und arbeiten, ganz gleich, welche Wurzeln sie haben – wir gestalten unsere Zukunft gemeinsam.

Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft am besten entfalten und einen guten Beitrag zur europäischen Einigung leisten kann, wenn die Integration auch nach innen gelingt.

Dann wurde es interessant:

Unser Land, die Bundesrepublik Deutschland, braucht einen Präsidenten, der sich uneingeschränkt diesen und anderen nationalen sowie den gewaltigen internationalen Herausforderungen widmen kann; einen Präsidenten, der vom Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen wird…

Das Staatsoberhaupt, das sich in seinen Ämtern stets rechtlich korrekt verhalten hat und überzeugt ist, dass die anstehende rechtliche Klärung zu seiner vollständigen Entlastung führen wird, ist also zurückgetreten.

Anschließend kam Wiefelspütz zu Wort, der, ohne pathetisch klingen zu wollen, seiner Hoffnung auf einen Nachfolger Ausdruck verlieh, der das Amt des Bundespräsidenten auch auszufüllen vermag und auf den alle stolz sein können. Amen! Clap your hands, everybody!! Sing Hallelujah!!! Nach all den Pleiten, Pech und Pannen der letzten Wochen und Monate: Die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt.

Mittwoch, 08. Februar 2012

Man kommt immer da an, wo man erwartet wird, las ich sinngemäß irgendwo die Tage. Auf die wesentlichen Begegnungen im Leben trifft das wohl zu, warum sollte dieser schöne Satz nicht auch für die Arbeitssuche gelten, dachte ich mir. Nach der gestrigen Absage fühlte ich mich wie befreit. Das Hoffen und Bangen der letzten Wochen hatte mich geradezu gelähmt. Als ich endlich wusste, was Sache war, war ich plötzlich wieder imstande, ein paar Telefonate zu tätigen und drei neue Bewerbungen aufzusetzen. Die erste positive Reaktion ereilte mich gleich heute, während ich mit Vicky in der Cafébar ein spätes Frühstück einnahm.

Gestern war sie auf die glorreiche Idee gekommen, sich den Vormittag frei zu nehmen, um gemeinsam mit ihrer in diesen Dingen noch nachlässigeren Mutter die längst überfällige Ummeldung auf dem Einwohnermeldeamt zu erledigen und mich anschließend zum Essen einzuladen. Das Mädel im Meldeamt klärte uns dahingehend auf, dass die Ummeldung eigentlich innerhalb einer Woche zu erfolgen gehabt hätte, dass sie aber so gerade eben noch ein, um nicht zu sagen beide Augen zudrücken könne. Wohlweislich hatten Vicky und ich uns schon im Vorhinein darüber verständigt, den Umzug sicherheitshalber vorgeblich auf den 01.01.2012 zu datieren. Ein ruppigerer Beamter hätte uns auch eine ordentliche Ordnungsstrafe aufbrummen können.

Als wir also anschließend gemütlich im Warmen der Cafébar saßen und abwechselnd in unsere Gespräche und in den Anblick des von der Sonne ausgeleuchteten klirrend kalten Wintertages draußen vor der Tür vertieft waren, klingelte mein Handy, und es meldete sich der Herr von der Firma G., um mich für nächste Woche Mittwoch, 10 Uhr zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. Ausgerechnet auf die Bewerbung eine erste Reaktion, die ich mit den meisten Skrupeln versehen gestern zur Post gegeben hatte. Eine relativ anspruchsvolle Buchhalterstelle, direkt der kaufmännischen Leitung unterstellt, von der ich mir nicht einmal sicher bin, ob ich sie überhaupt auszufüllen imstande wäre. Fachlich eigentlich genau das, was meiner Berufserfahrung bis dato entsprechen würde. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Von meinen Zweifeln werde ich nächsten Mittwoch nicht einen einzigen durchblicken lassen. Zumindest darin bin ich gut.

War das schön, meinte Vicky, als wir uns um 12 Uhr verabschiedeten, sie zur Arbeit und ich in den Park. Ein bisschen wie Urlaub. Mehr als dieses In-den-Tag-hinein-leben, worin ich zwar Meister bin, das aber nicht jeden Tag auch Urlaubsgefühle in mir zu wecken vermag.

Montag, 24.10.2011

Ein stürmischer Föhn fegte heute jede Menge trocken Laub von den Bäumen und die Menschen in Schieflage vor sich her. Die Fleischrote Rosskastanie ist schon ganz kahl. Blätter trägt sie keine mehr, aber wenn man genau hinschaut, stecken ein paar frisch aufgegangene Blüten wie Kerzen auf den nackten Zweigen. Ihre Gemeinen Gefährtinnen wirken, als hätten sie ihre rauschenden rostigen Blätterkleider noch einmal eiligst zusammengerafft und bäten zu einem allerletzten Tanz auf dem goldenen Oktoberparkett.

Sonntagsausflug

Gilbhard im Park

Durchgesessen

Ostdeutsche Galerie

Große Fußwaschende

Fahnenstrickinstallation

Spidronized Archimedean Solids

Licht und Schattenstruktur


Sonnenschein und lange Schatten

Hell und Dunkel

Eingewachsen

Anschmiegsam

Eingebettet

Altes Kreuz und junger Baum

Portal der Schottenkirche St. Jakob


Hinterhof der Dreieinigkeitskirche