Komödie in Moll

Ja, auch Coba wußte es natürlich, ebenso wie Maries Mutter, Leen und sein Freund Leo, der alle möglichen nützlichen Dinge im verborgenen tat. Es ließ sich nicht umgehen – der enge Kreis, wie ihn Marie sich anfangs vorgestellt hatte, war durchbrochen. Es kam fast von selbst. Und auch das andere kam beinahe von selbst. Unerwartet, oder doch nicht so ganz unerwartet. Ein kleines Ereignis nur, aber doch ein Künder, ein Botschafter, den das große Ereignis, das tägliche Geschehen geschickt hatte, um zu mahnen, da es selbst fast unsichtbar, wie zwischen den Zeilen nur geschah. Ein Wind, der auch des Sommers vom Meer her landeinwärts weht, ein wenig voller nur, und schärfer, so daß man leicht fröstelt, eine Wolke, die er schärfer gezeichnet und nicht mehr so strahlend und durchsichtig mit sich bringt, wenn es September wird. So wie eine leichte Erkrankung, fast nicht wert, um sich ins Bett zu legen, den Tod schon empfangen hat.

Hans Keilson, „Komödie in Moll“

Dissonanzen-Quartett

Wir Söhne sind nicht die Jüngeren; wir sind in der Geschlechterfolge älter als unsere Väter; in allem haben wir an ihrer Erfahrung teil. Das Mißverständnis, Lebensläufe in Jahreszahlen darzustellen und an sie biologische Zustände wie alt und jung zu knüpfen, rächt sich in der Monotonie der Anklagen und Widersprüche, mit der endokrin gesteuerte Illusionen durch die Zeiten von Geschlecht zu Geschlecht weitergegeben werden.

Hans Keilson, „Dissonanzen-Quartett. Eine Erzählung“

Vielleicht trifft das ja auch auf uns Töchter zu.