Der Duft von Kaffee und Kardamom

Eine Stewardess kam auf mich zu und fragte: „Kaffee?“ Ich lächelte mit weinenden Augen. Ich nickte ihr ein Ja zu. Und dann trank ich den ersten Schluck aus meiner ersten Kaffeetasse in der ersten Minute im ersten Himmel, während Mohammed Abdu in meinen Ohren sang:

„Die Handflächen Riads… Zöpfe, aus lauter Buchstaben geflochten…“

Badreya El-Beshr, „Der Duft von Kaffee und Kardamom“

Der Duft von Kaffee und Kardamom

Noch ein Geschenk vom Kater:

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Ich zog den Vorhang ein wenig zurück. So konnte ich besser auf die Straße schauen, die vor meinem Fenster lag. Ich hörte die Kinder, die auf dem Weg zur Schule waren und an den Händen ihrer Eltern hingen. Der gelbe Bus der Mädchenschule eilte vorbei. Die Mädchen waren mit schwarzen Gewändern behängt. Ein anderer Schulbus voller Kinder, die mit ihrem Geschrei den Fahrer nervten, fuhr ebenfalls vorüber. Die Straße nahm sich liebevoll der Nässe an. Der Asphalt spielte mit dem leichten, feinen Sprühregen und badete sich darin. Die brennende Hitze des Sommers war heute, am ersten Tag des Winters, längst verglüht. Ich hörte die Stimme meiner Mutter, wie sie die kleine May drängte, sich endlich fertig zu machen für die Schule. Die Vögel am Himmel schlugen mit ihren Flügeln und hoch oben auf den Bäumen, die den Straßenrand säumten, verkündeten sie ihr frühes Erwachen. Unablässig sprühte der feine Regen. Das Tor der Morgendämmerung öffnete sich und ließ kleine Schäfchenwolken auf dem Feld des blauen Himmels weiden, die allmählich alles in reines Weiß verwandelten. Die Sonne zog das Wolkenlaken über und ruhte sich aus. Am Horizont sprudelten die Wolken wie Dampf in den Kesseln des Himmels. Die kleineren Wolken hüpften fröhlich wie blubbernde Seifenblasen. Wenn in der Gegend von Nagd, der durstigen Stadt, der Regen einmal in Strömen herabstürzt, feiern ihn die Leute, und eine närrische Freude ergreift sie. Normalerweise fällt der nagdäische Regen nur sanft und sehr selten…

Badreya El-Beshr, „Der Duft von Kaffee und Kardamom“

Hind erzählt humorvoll und ironisch von ihrer Kindheit, von kleinen Freuden, vielen Träumereien und großem Schmerz. Zwischen Kaffee- und Kardamomduft wächst sie inmitten zahlloser Geschichten von Menschen auf, die ihr nahe stehen: denen ihrer Mutter, ihres Vaters, ihrer „Tante“ Ammusche, einem ehemaligen Sklavenkind. Und sie beschreibt. wie sich in ihrem Freundeskreis und Arbeitsumfeld die Beziehungen zwischen Männern und Frauen gestalten, wie sich Liebe, Zärtlichkeit und Sexualität ihren Weg bahnen, um die gesellschaftlichen Verbote und Tabus zu überwinden, die vor allem Frauen einschränken. Hind muss ständig um ihre Freiräume, ihren Weg zur Schriftstellerin, schließlich um ihre Unabhängigkeit als geschiedene Frau und Mutter und um ihre neue Liebe kämpfen, nicht zuletzt gegen ihre harte, verbitterte und traumatisierte Mutter.

Das Buch bietet eine einmalige Möglichkeit, Verständnis und Sympathie für die Menschen Saudi-Arabiens zu gewinnen. Die saudische Gesellschaft mit ihren extremen Regeln und der Trennung der Geschlechter in eine Männer- und eine Frauenwelt mag uns fremd und bedrohlich erscheinen; dank Badreya El-Beshr und ihrer Protagonistin Hind kommen wir den Menschen jedoch sehr nahe.

Quelle: Alawi Verlag