Dangerous Liaison

Für Dagmar

Nadja Haefeli, Germanic Funeral 2, 2007
Nadja Haefeli, „Germanic Funeral 2“ (2007)

Manchmal laufe ich ihm zufällig über den Weg. Dann merke ich, nach wie vor habe ich ihm  nicht verziehen. Was daran so schwer sei, meinte dereinst eine Therapeutin. Jeder von uns beiße doch ab und an in einen sauren Apfel.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?

Ist das der Punkt? Gekränkte Eitelkeit? Und warum komme ich nicht darüber hinweg? Nicht schön genug, nicht gut genug gewesen zu sein. Oder wenigstens vorausschauend genug, zu wissen, die Liebe lässt sich nicht verdienen.

Die erwähnte Therapeutin befand sich damals kurz vor ihrem Rückzug ins Private. Sie wollte den Abschluss unserer Sitzungsperiode möglichst rund gestalten. Und weil ich auch in dieser Situation, die Haut, in der ich lebe, nicht abstreifen konnte, mimte ich die perfekte Patientin und gab vor, geheilt zu sein.

Nur, immer wenn ich ihm zufällig über den Weg laufe, antwortet der Spiegel in mir:

Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber Schneewittchen über den Bergen bei den sieben Zwergen ist noch tausendmal schöner als ihr.