Wie man sich des Lichts der Träume auch am Tage noch erinnert…

Im Traum erschien mir Helene Schjerfbecks Räuber am Tor zum Paradies. Dazu die Worte Ilse Aichingers aus „Kleist, Moos, Fasane“:

Die stumme Landschaft, in die die Stimmen dringen.

Mit jedem in seiner Landschaft ausharren.

Liebe: aus dem Vergleich ziehen.

Nur die notwendigen Bewegungen.

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Durch Raum und Zeit

Das Bildnis vom schreibenden Erasmus hatte Helene Schjerfbeck im Louvre gesehen. Was sie wohl bewogen haben mag, es an die Wand der Stube mit den lesenden Mädchen zu hängen und damit auch den fortwährenden großen Dialog in der Malerei fortzuführen. Und welcher Lektüre die beiden sich dort in Gegenwart der Alten Meister so überaus aufmerksam widmen, bleibt ein Geheimnis für sich. Wie ein Sattel nicht zum Ochsen, so passt die Bildung nicht zur Frau, diesen Satz legte der Humanist von Rotterdam in „Der Abt Antonius besucht Magdalia“ dem Abt in den Mund. Und lächelte dabei vielleicht so erasmisch wie auf Holbeins Portrait. Ein X für ein U lassen sich Schjerfbecks Lesende jedenfalls, wie es aussieht, nicht vormachen.

Displacement in Time

What might have been and what has been
Point to one end, which is always present.

T. S. Eliot, “Burnt Norton” (No. 1 of “Four Quartets”)

Immer noch bin ich auf der Suche nach meiner Lieblingsmalerin. Als mir diese Woche Helene Schjerfbecks Schneiderin begegnete, wurde mir wieder bewusst, wie sehr ich die finnische Künstlerin mag. Auf diese in einer Schaukelbewegung erstarrte Frau, deren Handwerkszeug ihr von der Taille baumelt wie ein loser Faden, trifft in meinen Augen zu, was Bianca Brunner über ihre Arbeit „Limbo“ sagt: Erinnerung ist auch an Bewegung geknüpft. Und wenn diese latent schwelenden Bilder in einer bestimmten Bewegung plötzlich aufflackern, können sie einen Riss in die Gegenwart brennen. Vielleicht auch den Vorhang durchtrennen, der manchmal so schwer zwischen den Zeitkorridoren lastet.