La Mano di Giovanni Battista

Leonardo da Vinci, „Johannes der Täufer“

Es gibt zu viel Welt. Man müsste sie verkleinern, nicht weiter und größer machen. Man sollte sie wieder in eine kleine Dose stopfen, in ein mobiles Panoptikum, das man nur samstagnachmittags anschauen dürfte, wenn die Tagesarbeit getan, die saubere Wäsche vorbereitet ist, die gestärkten Hemden auf der Stuhllehne hängen, die Böden gescheuert sind und der Streuselkuchen zum Auskühlen auf der Fensterbank steht. Dann würde man durch ein kleines Loch hineinschauen wie in ein Fotoplastikon und jede Einzelheit bestaunen.

Leider aber ist es dafür wohl zu spät.

Wahrscheinlich bleibt einem nichts anderes übrig, als zu lernen, wie man unentwegt eine Wahl trifft. Wie man so wird wie der Reisende, den ich einmal in einem Nachtzug kennengelernt habe. Der sagte, er müsse in regelmäßigen Abständen in den Louvre fahren und vor dem einen Bild stehen, das es seiner Meinung nach wert ist, gesehen zu werden. Vor dem Bild von Johannes dem Täufer, um mit dem Blick seinem erhobenen Finger zu folgen.

Olga Tokarczuk, „Unrast“