One Shoe Off

Als ich, innerlich zur Ruhe gekommen, vor Brewsters Porträts stand, erkannte ich, dass in den Gemälden eine lautlose Übertragung zwischen Künstler und Objekt festgehalten war. Ein Pinselstrich gibt beim Auftragen der Farbe an der Tafel oder auf der Leinwand kaum ein Geräusch von sich, und genau dieser Frieden wird bei den großen Künstlern der Stille wunderbar greifbar: bei Vermeer, Chardin, Hammershøi. Das Schweigen geht sogar noch tiefer, dachte ich, wenn die persönliche Welt des Künstlers von vollkommener Lautlosigkeit erfüllt ist. Im Unterschied zu anderen Malern hatte Brewster nicht auf indirekte Blicke oder Hell-Dunkel-Kontraste zurückgegriffen, um das Schweigen dieser Welt zu vermitteln. Die Gesichter waren ganz im Licht und trotzdem still.

Teju Cole, „Open City“

John Brewster Jr., "One Shoe Off" (1807)
John Brewster Jr., „One Shoe Off“ (1807)