Woman at a Window waving at a Girl

Jacobus Vrel,
Jacobus Vrel, „Woman at a Window waving at a Girl“ (ca. 1650-1700)

Vieles in diesem Bild spricht gegen seinen Titel. Als würde die Hand der Frau, die wir nur von hinten sehen – wenn sich wenigstens ihr Gesicht im Fensterglas spiegeln würde – in einer Geste der Ungläubigkeit an die Scheibe fassen, als handelte es sich bei dem Mädchen um ein vermeintliches Trugbild, dessen Erscheinung nur durch Berührung wahr werden könnte. Dieses Kind, das wie ein Licht in dunkler Nacht vor dem Fenster auftaucht, was macht es überhaupt zu offensichtlich später Stunde da draußen im Stockfinsteren? Und wie oft und wie lange mag die Frau schon dort gesessen haben in diesem nicht besonders bequem anmutenden Stuhl. Tatenlos vermutlich. Bis sie plötzlich ruckartig nach vorne schnellt, weil das, wonach sie vielleicht Ausschau gehalten haben mag – oder auch nicht -, weil auf einmal etwas wie aus dem Nichts und zum Greifen nahe vor ihr steht. Wenn auch nur fast. Nietzsche fällt mir ein: …Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. Oder Edgar Allan Poe:

Take this kiss upon the brow! / And, in parting from you now, / Thus much let me avow – / You are not wrong, who deem / That my days have been a dream; / Yet if hope has flown away / In a night, or in a day, / In a vision, or in none, / Is it therefore the less gone? / All that we see or seem / Is but a dream within a dream…

Well, folks: Take this kiss upon the brow! Das Hamsterrad ruft, hier wird es nun zwangsläufig wieder etwas ruhiger werden. Ich danke vielmals und ganz herzlich für Eure Aufmerksamkeit, und wo immer Ihr seid: Let your nodes glow on in the dark!

Mein Leben hat das gleiche Kleid und Haar

Mein Leben hat das gleiche Kleid und Haar
wie aller alten Zaren Sterbestunde.

Die Macht entfremdete nur meinem Munde,
doch meine Reiche, die ich schweigend runde,
versammeln sich in meinem Hintergrunde

Rainer Maria Rilke, „Mein Leben hat das gleiche Kleid und Haar“