Durch Raum und Zeit

Das Bildnis vom schreibenden Erasmus hatte Helene Schjerfbeck im Louvre gesehen. Was sie wohl bewogen haben mag, es an die Wand der Stube mit den lesenden Mädchen zu hängen und damit auch den fortwährenden großen Dialog in der Malerei fortzuführen. Und welcher Lektüre die beiden sich dort in Gegenwart der Alten Meister so überaus aufmerksam widmen, bleibt ein Geheimnis für sich. Wie ein Sattel nicht zum Ochsen, so passt die Bildung nicht zur Frau, diesen Satz legte der Humanist von Rotterdam in „Der Abt Antonius besucht Magdalia“ dem Abt in den Mund. Und lächelte dabei vielleicht so erasmisch wie auf Holbeins Portrait. Ein X für ein U lassen sich Schjerfbecks Lesende jedenfalls, wie es aussieht, nicht vormachen.

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