Augenpaare

Mag sein, die beiden Bilder erwecken einen eigenartigen Gesamteindruck.

Frida Kahlo zierte mit ihrem Selbstbildnis aus dem Jahr 1930 mein Kalenderblatt im Monat Mai. Nähere Informationen dazu konnte ich kurzfristig nicht beitreiben. Zufällig stolperte ich über das gleichfalls 1930 entstandene Bild „American Gothic“ von Grant DeVolson Wood. Vielfach kopiert und parodiert. Wood selber beantwortete Fragen nach den Absichten, die er damit verfolge, ausweichend: Es stelle „Typen“ dar, die er schon sein ganzes Leben lang kenne und die er nicht bloßstellen wolle. Eine Aussage, die möglicherweise einer gewissen Süffisanz nicht entbehrt.

Das Haus hatte der Künstler im August 1930 in Eldon, Iowa auf der Suche nach Inspiration zufällig aus dem Autofenster heraus gesehen und beschlossen, es zu malen. Die Figuren entwarf er nach seiner Vorstellung von Menschen, die in einem solchen Haus leben könnten. Wood bat seine Schwester Nan und seinen Zahnarzt Dr. Byron McKeeby im Studio Modell zu stehen und kleidete sie dafür in ländlich-kolonialem Stil.

Gemeinsam ist beiden Bildern die Art der Darstellung. Sie erinnert an Posen der Porträtfotografie. Darüber hinaus haben sie eigentlich nichts miteinander zu tun. Außer dass sie in mir eine Art Déja Vu hervorrufen, a kind of glitch in the matrix…

Advertisements

„I don’t feel good.“

Frida Kahlo, "Portrait of (1931)
Frida Kahlo, „Bildnis Luther Burbank“ (1931)

I don’t feel good, waren die letzten Worte von Luther Burbank am 11. April 1926. Unschwer nachvollziehbar. Wer aber war dieser Luther Burbank. Das fragte ich mich natürlich auch, als ich das erste Blatt meines diesjährigen Kalenders aufschlug. Ich war übrigens so frei, mich beim Verkäufer wegen eines Preisnachlasses aufgrund des bereits angebrochenen Neuen Jahres zu erkundigen. Der winkte ab. Wenn überhaupt, werden Kalender erst ab 15. Januar reduziert, die meisten Verlage rufen ihre bis dahin nicht an den Mann oder die Frau gebrachten Exemplare neuerdings jedoch zurück und stampfen sie ein. Same procedure as everywhere. Erwarb ich ihn also zum vollen Preis inklusive Obolus für die Entsorgung des anstehenden Altpapiers. Es ist zum Auswachsen.

Apropos Auswachsen. Abgesehen davon, dass ich ab und an ein scharfes Chili zubereite, werden in meiner Küche derzeit keine Fiestas à la Frida Kahlo gefeiert. Ihr Bildnis Luther Burbank, seines Zeichens US-amerikanischer Pflanzenforscher bzw. -züchter, geboren 1849 und gestorben, wie bereits erwähnt, 1926, ziert die weiße Wand dafür um so mehr. Inspiriert  von Charles Darwin hatte er sich die Pflanzenauslese durch Selektion und das Kreuzen neuer Sorten zur Lebensaufgabe gemacht. Burbanks Arbeit führte 1930 schließlich zur Einführung eines Gesetzes über die Patentierbarkeit von Pflanzensorten.

Wikipedia schreibt:

Luther Burbank war zu seiner Zeit unglaublich populär, ein Star im Bereich der Botanik und Pflanzenzüchtung. Er galt als „Pflanzenzauberer“. Noch heute bedeutet das Verb „to burbank“ so viel wie Verändern und Verbessern von Pflanzen, und die Kartoffelsorte „Burbank“ zählt zu den wichtigsten auf dem US-Markt.

In einem Zeitungsinterview kurz vor seinem Tod ließ Burbank verlauten, er glaube nicht an die Unsterblichkeit der Seele.

Auf ihrem Portrait von 1931 zeigt ihn Frida Kahlo als Hybriden, halb Mensch halb Baum, der in seinem toten Körper wurzelt. The fertilization of life by death… ein Thema, das auch in ihren späteren Bildern immer wieder auftauchen sollte.

Ich schätze mal, Luther Burbank hätte es gefallen.