Amorpha, Fuge in zwei Farben

In einem Rundfunkvortrag von 1946 konstatierte František Kupka mit Genugtuung, dass seine „Anhänger“ im selben Jahr den „Salon des Réalités Nouvelles“ gegründet hatten. Der Künstlergruppe brachte er Achtung entgegen, wie er anlässlich einer Ausstellung seiner Werke in Prag im Radio erläuterte:

„Sie hat alle Etikettierung abgeschafft, die man bisher in der Kunst für die Abbildung von Gegenständlichem verwendet hat. Zum Beispiel das Etikett ‚Orphismus’, vorgeschlagen von Apollinaire, oder später den Begriff ‚Abstraktion’. In der Kunst gibt es aber nichts Abstraktes, weil jedes Bild an sich konkret ist. Parallel dazu haben einige Künstler in Russland – zum Beispiel Kandinsky – das Etikett ‚Konstruktivismus’ erfunden. Dieser Begriff dürfte gewissermaßen am richtigsten sein, denn das, was ich zu machen begann, war das Kreieren von Etwas aus dem Nichts – als Gegenteil zu dem, was die Maler bisher malten. Wenn sie ein Gefühl zum Ausdruck bringen wollten, machten sie es mittels einer getreu abgebildeten Landschaft, einer Frau oder allgemein einer Menschengestalt. … Es ist aber sehr schwer, etwas aus dem Nichts zu schaffen, daran muss man lange arbeiten.“

Quelle: Radio Prag

 

František Kupka, 1912, Amorpha, Fuge in zwei Farben, 210 x 200 cm, Narodni Galerie, Prag.
František Kupka, 1912, Amorpha, Fuge in zwei Farben, 210 x 200 cm, Narodni Galerie, Prag.
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