Der Turm zu den Sternen

František Kobliha…Den König aber plagte die Angst, das Mädchen könne geraubt werden, und endlich beschloss er, sie in einen hohen Turm zu sperren. Er ließ seinen besten Baumeister rufen mit seinen tüchtigsten Maurern und befahl: „Baut mir einen Turm bis zu den Wolken und noch höher!“ Und die fingen an, auf festem Felsengrund einen Turm zu bauen. Als der so hoch war wie der höchste Baum, ließ der König seine Tochter mit ihrer Dienerin in den Turm bringen, und die Tür wurde zugemauert bis auf eine kleine Luke, durch die man Essen und Trinken hereinreichen konnte. Und die Bauleute wurden auch mit eingemauert, sie sollten von innen weiterbauen. Die Steine dafür mussten sie aus dem Felsengrund brechen. So wuchs der Turm höher und höher, und je höher der Turm in den Himmel reichte, desto tiefer führte eine Treppe hinab in die Erde.

Drei Tage, bevor die Königstochter vierzehn Jahre alt wurde, sagte der alte Baumeister: „Prinzessin, der Turm reicht nun bis zu den Sternen. Weiter können wir nicht bauen!“

„Hab Dank“, sagte die Königstochter, „es ist gut. Komm“, sagte sie zu ihrer Dienerin, „ich steige jetzt hinauf, dann werden wir weitersehen.“ So stiegen sie die steile Treppe hinauf, weiter und immer weiter, bis sie zur Turmspitze kamen, da reichte der Turm bis zu den Sternen. Das Mädchen schwingt sich über die Brüstung und geht auf den nächsten Stern zu. Als sie näher kommt, sieht sie: es ist ein kleines Haus mit einem hell erleuchteten Fenster. Sie klopft an die Tür, ein schöner junger Mann kommt heraus.

„Wer bist du?“, fragt er, „woher kommst du? Und was willst du?“

„Ich bin eine Königstochter“, sagt sie, „ich komme von unten, aus diesem Turm dort drüben. Mein Vater hat mich mit meiner Dienerin darin eingemauert. Aber ich will in die Welt gehen. Und wer bist du?“

„Ich bin der Morgenstern. Hier vom Himmel führt kein Weg in die Welt…

aus „Der Turm zu den Sternen“ (Baskisch)