Iphigenie auf Tauris

Ergänzung zum Wissensspiel, 3. Durchgang:

Das Thema der vor dem Opfertod geretteten, aber von diesem Zeitpunkt an in die Fremde verbannten Königstochter beschäftigte Feuerbach mehrere Jahre. Inspiriert durch Iphigenies Worte „Und am Ufer steh‘ ich lange Tage, das Land der Griechen mit der Seele suchend“, aus Goethes Schauspiel ‚Iphigenie auf Tauris‘, fertigte der Künstler auf der Suche nach der idealen Darstellung 1862, 1871 und 1875 drei unterschiedliche Fassungen des Motivs an. Als erster Künstler konzentrierte er sich dabei auf die monumentale Einzelfigur der Iphigenie, die den Blick über das Meer in die Ferne gerichtet hat und schuf auf diese Weise eine Allegorie der Sehnsucht.

Die drei Gemälde zählen zu seinen Hauptwerken. Sie zeigen in ihrer plastischen Körperlichkeit und der sich von Werk zu Werk reduzierteren Farbigkeit Feuerbachs Entwicklung in seiner römischen Zeit, als er unter dem Einfluss der antiken Skulpturen und der Malerei Michelangelos zu seiner neuen Figurenauffassung gelangte.

Neben den kunsthistorischen Eindrücken waren vor allem die beiden römischen Modelle, Anna Risi und Lucia Brunacci, wichtige Inspirationsquellen für Feuerbachs Iphigenien. In eigens für sie geschneiderten Gewändern ließ er sie stundenlang posieren, um die perfekte Haltung zu finden. Sein Ziel war es, das klassische Ideal durch die Arbeit mit dem Modell mit Leben zu füllen.

Während bei der ersten Fassung (Darmstadt) der Eindruck melancholischer Versunkenheit überwiegt, drückt die Stuttgarter Iphigenie das Sehnen nach der fernen Heimat mit dem gesamten Körper aus. Mit der stehenden Iphigenie des Düsseldorfer Gemäldes von 1875 kommt Feuerbach schließlich der Textvorlage Goethes am nächsten.

Quelle: Altertümliches

Anselm Feuerbach, Iphigenie, 1862, Öl auf Leinwand, 249 x 174 cm,

Hessisches Landesmuseum Darmstadt; Foto: Wolfgang Fuhrmannek (HLMD)

Anselm Feuerbach, Iphigenie, 1871, Öl auf Leinwand, 192,5 x 126,5 cm,

Staatsgalerie Stuttgart; Foto: Staatsgalerie Stuttgart

Anselm Feuerbach, Am Meer (Moderne Iphigenie), 1875, Öl auf Leinwand, 197 x 113,5 cm,

Museum Kunstpalast, Düsseldorf

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