Schneewittchen

"The Dwarfs, when they came in the evening, found Snowdrop lying on the ground."Illustration von Arthur Rackham
„The Dwarfs, when they came in the evening, found Snowdrop lying on the ground.“
Illustration von Arthur Rackham aus „Grimm’s Fairy Tales“

Die Zwerglein, wie sie Abends nach Haus kamen, fanden Sneewittchen auf der Erde liegen, und es gieng kein Atem mehr aus seinem Mund, und es war tot. Sie hoben es auf, suchten ob sie was giftiges fänden, schnürten es auf, kämmten ihm die Haare, wuschen es mit Wasser und Wein, aber es half alles nichts; das liebe Kind war tot und blieb tot…

Illustration von Sulamith Wülfing (* 11. Januar 1901 Elberfeld, heute zu Wuppertal; † 20. März 1989 in Wuppertal)
Illustration von Sulamith Wülfing (* 11. Januar 1901 Elberfeld, heute zu Wuppertal; † 20. März 1989 in Wuppertal)

…Sie legten es auf eine Bahre und setzten sich alle siebene daran und beweinten es, und weinten drei Tage lang. Da wollten sie es begraben, aber es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch, und hatte noch seine schönen roten Backen. Sie sprachen „das können wir nicht in die schwarze Erde versenken“, und ließen einen durchsichtigen Sarg von Glas machen, dass man es von allen Seiten sehen konnte, legten es hinein, und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf, und dass es eine Königstochter wäre. Dann setzten sie den Sarg hinaus auf den Berg, und einer von ihnen blieb immer dabei, und bewachte ihn. Und die Tiere kamen auch und beweinten Sneewittchen, erst eine Eule, dann ein Rabe, zuletzt ein Täubchen.

Nun lag Sneewittchen lange lange Zeit in dem Sarg und verweste nicht, sondern sah aus als wenn es schliefe, denn es war noch so weiß wie Schnee, so rot als Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz…

Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen („Sneewittchen“)

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