Fundevogel

Illustration zu dem Märchen "Fundevogel". Feder in Braun, aquarelliert, über Spuren von schwarzem Stift. 43,8 x 23,1 cm, spätestens 1859
Ferdinand Fellner, Illustration zu dem Märchen „Fundevogel“, spätestens 1859. Feder in Braun, aquarelliert, über Spuren von schwarzem Stift. 43,8 x 23,1 cm.

Es war einmal ein Förster, der gieng in den Wald auf die Jagd, und wie er in den Wald kam, hörte er schreien, als ob’s ein kleines Kind wäre. Er gieng dem Schreien nach und kam endlich zu einem hohen Baum,  und oben darauf saß ein kleines Kind. Es war aber die Mutter mit dem Kinde unter dem Baum eingeschlafen, und ein Raubvogel hatte das Kind in ihrem Schoße gesehen: da war er hinzu geflogen, hatte es mit seinem Schnabel weggenommen und auf den hohen Baum gesetzt…

Illustration vermutlich Ruth Koser-Michaels
Illustration von Ruth Koser-Michaels

…Nun machte sich die alte Köchin selbst auf die Beine und gieng mit den drei Knechten den Kindern nach. Die Kinder sahen aber die drei Knechte von weitem kommen, und die Köchin wackelte hinten nach. Da sprach Lenchen: „Fundevogel, verlässt du mich nicht, so verlass ich dich auch nicht.“ Da sprach der Fundevogel „nun und nimmermehr.“ Sprach Lenchen „werde zum Teich und ich die Ente drauf.“ Die Köchin aber kam herzu, und als sie den Teich sahe, legte sie sich drüber hin und wollte ihn aussaufen. Aber die Ente kam schnell geschwommen, fasste sie mit ihrem Schnabel beim Kopf und zog sie ins Wasser hinein: da musste die alte Hexe ertrinken. Da giengen die Kinder zusammen nach Haus und waren herzlich froh; und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch.

Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen („Fundevogel“)

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