Die sieben Raben

"The good little Sister cut off her own tiny finger, fitted it into the lock, and succeeded in opening it."Illustration von Arthur Rackham aus "Grimm's Fairy Tales"
„The good little Sister cut off her own tiny finger, fitted it into the lock, and succeeded in opening it.“
Illustration von Arthur Rackham aus „Grimm’s Fairy Tales“

…Da machte es sich geschwind fort  und kam zu den Sternen, die waren ihm freundlich und gut, und jeder saß auf seinem besonderen Stühlchen. Der Morgenstern aber stand auf, gab ihm ein Hinkelbeinchen und sprach „wenn du das Beinchen nicht hast, kannst du den Glasberg nicht aufschließen, und in dem Glasberg da sind deine Brüder.“

Das Mädchen nahm das Beinchen, wickelte es wohl in ein Tüchlein, und gieng wieder fort so lange bis es an den Glasberg kam. Das Tor war verschlossen und es wollte das Beinchen hervor holen, aber wie es das Tüchlein aufmachte, so war es leer, und es hatte das Geschenk der guten Sterne verloren. Was sollte es nun anfangen? seine Brüder wollte es erretten und hatte keinen Schlüssel zum Glasberg. Das gute Schwesterchen nahm ein Messer, schnitt sich ein kleines Fingerchen ab, steckte es in das Tor und schloss glücklich auf.

Illustration im Bild signiert durch "E. Schütz", d. i. Erich Schütz, wie sich der Maler auf anderen Karten im Verlag der Brüder Kohn nennt. Erich Schütz (22.3.1886 Pogancec (Kroatien) - 17.5.1937 Wien) war um 1920 in Wien und 1933 in Innsbruck tätig (Peter Krause / Josef Schantl: Bildpostkarten-Katalog. Wien 2001, S. 152). Der Signatur gegenüber findet sich das Kürzel "AK.", das auf die Kunstanstalt verweist.
Illustration im Bild signiert durch „E. Schütz“, d. i. Erich Schütz, wie sich der Maler auf anderen Karten im Verlag der Brüder Kohn nennt. Erich Schütz (22.3.1886 Pogancec (Kroatien) – 17.5.1937 Wien) war um 1920 in Wien und 1933 in Innsbruck tätig (Peter Krause / Josef Schantl: Bildpostkarten-Katalog. Wien 2001, S. 152). Der Signatur gegenüber findet sich das Kürzel „AK.“, das auf die Kunstanstalt verweist.

…Auf einmal hörte es in der Luft ein Geschwirr und ein Geweh, da sprach das Zwerglein „jetzt kommen die Herren Raben heim geflogen.“ Da kamen sie, wollten essen und trinken, und suchten ihre Tellerchen und Becherchen. Da sprach einer nach dem andern „wer hat von meinem Tellerchen gegessen? wer hat aus meinem Becherchen getrunken? das ist eines Menschen Mund gewesen.“ Und wie der siebente auf den Grund des Bechers kam, rollte ihm das Ringlein entgegen. Da sah er es an und erkannte dass es ein Ring von Vater und Mutter war, und sprach: „Gott gebe, unser Schwesterlein wäre da, so wären wir erlöst.“ Wie das Mädchen, das hinter der Türe stand und lauschte, den Wunsch hörte, so trat es hervor, und da bekamen alle die Raben ihre menschliche Gestalt wieder. Und sie herzten und küssten einander, und zogen fröhlich heim.

Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen („Die sieben Raben“; siehe auch „Die zwölf Brüder)

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