Aschenputtel

Illustration von Arthur Rackham
Illustration von Arthur Rackham

Sie nahmen ihm seine schönen Kleider weg, zogen ihm einen grauen alten Kittel an, und gaben ihm hölzerne Schuhe. „Seht einmal die stolze Prinzessin, wie sie geputzt ist!“ riefen sie, lachten und führten es in die Küche. Da musste es von Morgen bis Abend schwere Arbeit tun, früh vor Tag aufstehn, Wasser tragen, Feuer anmachen, kochen und waschen. Obendrein taten ihm die Schwestern alles ersinnliche Herzeleid an, verspotteten es und schütteten ihm die Erbsen und Linsen in die Asche, so dass es sitzen und sie wieder auslesen musste. Abends, wenn es sich müde gearbeitet hatte, kam es in kein Bett, sonder musste sich neben den Herd in die Asche legen. Und weil es darum immer staubig und schmutzig aussah, nannten sie es Aschenputtel.

Märchenpostkarte ohne Titel. Nummer: 22. Im Bild signiert: K. Verso: 25/6, K 1676. Keine Verlagsangabe.
Märchenpostkarte ohne Titel. Nummer: 22. Im Bild signiert: K. Verso: 25/6, K 1676. Keine Verlagsangabe.

Aschenputtel dankte ihm, gieng zu seiner Mutter Grab und pflanzte den Reis darauf, und weinte so sehr, dass die Tränen darauf niederfielen und es begossen. Es wuchs aber, und ward ein schöner Baum. Aschenputtel gieng alle Tage dreimal darunter, weinte und betete, und allemal kam ein weißes Vöglein auf den Baum, und wenn es einen Wunsch aussprach, so warf ihm das Vöglein herab was es sich gewünscht hatte.

Detail of illustration for Cinderella by Eleanor Abbott for Grimm's Fairy Tales. New York: Charles Scribner's Sons, 1920.
Detail of illustration for Cinderella by Eleanor Abbott for Grimm’s Fairy Tales. New York: Charles Scribner’s Sons, 1920.

Am dritten Tag, als die Eltern und Schwestern fort waren, gieng Aschenputtel wieder zu seiner Mutter Grab und sprach zu dem Bäumchen

„Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich

wirf Gold und Silber über mich.“

Nun warf ihm der Vogel ein Kleid herab, das war so prächtig und glänzend wie es noch keins gehabt hatte, und die Pantoffeln waren ganz golden.

"Ashenputtel goes to the ball."Illustration von Arthur Rackham aus "Grimm's Fairy Tales"
„Ashenputtel goes to the ball.“
Illustration von Arthur Rackham aus „Grimm’s Fairy Tales“

Als es in dem Kleid zu der Hochzeit kam, wussten sie alle nicht was sie vor Verwunderung sagen sollten. Der Königssohn tanzte ganz allein mit ihm, und wenn es einer aufforderte, sprach er „das ist meine Tänzerin.“

Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen („Aschenputtel“)