Only Child

Greg Sand, "Only Child" (aus der Serie "Snapshots")
Greg Sand, „Only Child“
(aus der Serie „Snapshots“)

„Ich lese gleichzeitig: das wird sein und das ist gewesen; mit Schrecken gewahre ich eine vollendete Zukunft, deren Einsatz der Tod ist. Indem die Photographie mir die vollendete Vergangenheit der Pose (den Aorist) darbietet, setzt sie für mich den Tod in die Zukunft. Was mich besticht, ist die Entdeckung dieser Gleichwertigkeit. Das Kinderphoto meiner Mutter vor Augen, sage ich mir: sie wird sterben: ich erschauere wie der Psychotiker bei Winnicott vor einer Katastrophe, die bereits stattgefunden hat. Gleichviel, ob das Subjekt, das sie erfährt, schon tot ist oder nicht, ist jegliche Photographie diese Katastrophe.“

Roland Barthes, „Die helle Kammer“

Das Zitat von Roland Barthes hat Greg Sand im Kopf, wenn er alte Fotografien betrachtet, deren Portraitierte lange schon nicht mehr leben. Aus diesem Grund bearbeitet er in der Mehrzahl auf Flohmärkten und in Nachlässen aufgelesene Bilder. „Snapshots deals with my struggle to reconcile reality, perception, time, and death. These personal anxieties manifest themselves in old family snapshots – the mementos of past times and lives.“ Der Schnappschuss eines „Einzigen Kindes“ hat mich ganz besonders berührt. Wie ein Déja-vu. Als hätte ich genau dieselbe Situation schon einmal erlebt.

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