Alfred Stieglitz

Alfred Stieglitz (* 1. Januar 1864 in Hoboken, New Jersey; † 13. Juli 1946 in New York) trug mit seiner Arbeit wesentlich dazu bei, dass aus der Fotografie eine akzeptierte Kunstform wurde.

Von 1881-1891 hatte er in Berlin Maschinenbau und Fotochemie studiert und sich 1889 in New York niedergelassen, wo er 1902 seine erste Galerie eröffnete und in der Folgezeit auch als Herausgeber diverser Fachzeitschriften sein Anliegen vorantrieb.

In seinen eigenen Werken lehnte er bald jegliche Form von Manipulation wie etwa das Retuschieren ab und fotografierte stattdessen bevorzugt im Regen, Nebel oder Schnee, um die gewünschten weichen Konturen und Effekte zu erzielen. In seinen Augen war der richtige Blick wichtiger als die Ausrüstung oder die äußeren Bedingungen. Zu seinen bekanntesten Fotos aus dieser Zeit gehört unter anderen „Winter on Fifth Avenue“ (1893).

Für diese Aufnahme verbrachte Stieglitz bei eisiger Kälte nach eigenen Aussagen mehr als drei Stunden mit Warten auf den richtigen Moment.

Waren seine frühen Arbeiten noch stark vom französischen und englischen Piktorialismus beeinflusst, wandte er sich um 1915 von dieser Stilrichtung radikal ab und wurde vehementer Vertreter einer neuen Bewegung der Fotografie, der „straight photography“. Gemeinsam mit Paul Strand, einem der einflussreichsten amerikanischen Fotografen des 20. Jahrhunderts, forderte er eine Fotografie, die sich nicht mehr für die spezifischen Eigenarten des Mediums schämen sollte, sondern diese gezielt einsetzen, denn „die Verschwommenheit eines Gummidrucks hat vom ästhetischen Standpunkt aus gesehen weniger Wert als eine normale Blechfotografie“.

1917 stellte er seine Tätigkeit als Galerist und Herausgeber ein und widmete sich verstärkt der eigenen künstlerischen Arbeit, wobei er sich auf einige wenige Themen konzentrierte wie die Stadt New York, seine Wolkenstudien, genannt „Equivalents“ und die Portraitserie von seiner zweiten Frau, der Malerin Georgia O’Keeffe.

Stieglitz photographed me first at his gallery ‚291‘ in the spring of 1917. . . . My hands had always been admired since I was a little girl—but I never thought much about it. He wanted head and hands and arms on a pillow—in many different positions. I was asked to move my hands in many different ways—also my head—and I had to turn this way and that. . . . Stieglitz had a very sharp eye for what he wanted to say with the camera. . . . His idea of a portrait was not just one picture. His dream was to start with a child at birth and photograph that child in all of its activities as it grew to be a person and on throughout its adult life. As a portrait it would be a photographic diary.

Georgia O’Keeffe, 1978

Stieglitz‘ Weigerung, ihre Persönlichkeit in einem einzigen Bild einzufangen, korrespondierte mit seinen Überzeugungen, dass, verursacht durch die Geschwindigkeit des modernen Lebens, der Mensch sich selbst nur noch als bruchstückhaftes Wesen wahrnehmen konnte, dass die Persönlichkeit pausenloser Veränderung unterworfen war, unterbrochen vielleicht nur durch die Intervention einer Kamera und dass Wahrheit in der modernen Welt relativ war und Fotos sowohl ein Ausdruck der Gefühle des Fotografen für sein Sujet als auch seiner Reflexionen darüber sein konnten.

Seine „Equivalents“ entstanden in einem ähnlichen Geist. Die Wolkenbilder waren für ihn gleichzeitig unmanipulierte Portraits vom Himmel und Analogien seiner emotionalen Erfahrungen im Moment des Auslösens.

Auch mit seinen Bildern von den Wolkenkratzern der Stadt New York schuf Alfred Stieglitz Sinnbilder für die zerstückelte Beschaffenheit der modernen Welt und einen imposanten Schlussakkord in seinem Leben als einer der wichtigsten Advokaten überhaupt für die Etablierung der Fotografie als eigene Kunstform.

Quellen: wikipedia und Alfred Stieglitz (1864-1946) and American Photography