Splendid

He brought a taste for happiness and honesty and a love of women to what was, before him, a joyless, loveless, lying art. Today the world of what is called fashion is peopled with Munkácsi’s babies, his heirs… The art of Munkácsi lay in what he wanted life to be, and he wanted it to be splendid. And it was.

Richard Avedon about Martin Munkácsi

Tagesanbruch

Paul Almasy, "Shell-Tankstelle in der Wueste bei Hassi-Messaoud, Algerien" (1963)
Paul Almasy, „Shell-Tankstelle in der Wueste bei
Hassi-Messaoud, Algerien“ (1963)

Tagesanbruch. So ist auch das erste Kapitel von „Alles, was ist“ überschrieben. Mit einem fast biblisch anmutenden Zug bringt James Salter seinen Philip Bowman in Stellung. Genau dreizehn Seiten später besiegelt die Versenkung der Yamato, eines vermeintlich unbesiegbaren Schlachtschiffes, das den archaischen Namen des japanischen Ur-Reiches trägt, das Ende des Pazifikkrieges auf See. Die geneigte Leserin weiß, dass es die USA dabei nicht bewenden ließen. Der Autor lässt es damit gut sein. Mehr braucht es auch nicht, um zu ahnen: Bowman hat zwar überlebt und gehört zu den Gewinnern, aber wenn es nach der Kompositionslehre des Krieges geht, wird er von nun an hilflos seinem Schicksal überlassen sein wie ein matter König im Schach.

Wie das Leben spielt. Es ist die Blaue Stunde und gleich wird unerbittlich die Nacht in mein Lebenszimmer einfallen, und wir werden uns anschweigen, wie immer um diese Zeit. Aber noch klingt dieses erste Kapitel in mir nach wie Beethovens Schicksalssinfonie.

Einmal hatte er in der Ferne, tief und geschmeidig durch das Wasser gleitend, das getarnte Flaggschiff gesehen, die New Jersey, mit Halsey an Bord. Es war, als würde man in Regensburg von Ferne Karl den Großen sehen.

Wow! Also, Karl der Große ist mir hier noch nie begegnet, aber vielleicht muss man dafür auch in Okinawa gewesen sein. In seinem Buch „Die Blaue Stunde“ erwähnt William Boyd sogar Obertraubling: Umgesetzt hat Kranewitter diese schwerverständliche Theorie in seinem Meisterwerk, dem Lothar-Haus (1924-1929) in Obertraubling bei Regensburg. In dem Fall sind der vermeintliche Architekt Oscar Kranewitter und das ominöse Lothar-Haus aber der Phantasie des Autors entsprungen. Was ich damit sagen will: Vor Einfällen dieser Art habe ich Respekt. Sie atmen für mich diesen Geist, der selbst einem unsäglichen Kaff hinterm Mond, wo der Hund verreckt ist und die Bordsteine nach der Blauen Stunde hochgeklappt werden, Bedeutung zu verleihen vermag.

Für einen Moment hat Bowman also dem Jüngsten Tag ins Antlitz geblickt, und ich frage mich, noch bevor ich das nächste Kapitel aufschlage, wie sein Leben wohl weitergehen wird. Wie Töne, die darum ringen, gespielt zu werden, hängen die Antworten auf alle meine Fragen im Raum und warten vielleicht darauf, gefunden zu werden Vielleicht auch nicht. Selbst wenn man die Vorhänge seines Lebenszimmers den ganzen Tag geschlossen hält, die Schwärze sickert doch durch das sepiafarbene Gewebe, und das Licht saugt sie unweigerlich bei Tagesanbruch wieder ein. Das Leben plätschert einfach immer weiter.

Alles, was ist. Ja. Ich bin gespannt.

Notiz zu einem Epilog

One year ago, I began photographing the scenes of a world irreversibly decaying, the transformation of a Balkan country surviving the region’s hardest dictatorship. When capturing the still recordable milieu I am examining the parallel of a general tendency and personal stories: as resilient humanity condensing into symbolic destinies takes shape in the face of mortality.

Tamas Dezso

Tamas Dezso, "Anastasia" (Livada, North West Romania), 2012
Tamas Dezso, „Anastasia“ (Livada, Nordwestrumänien), 2012

Three Boys at Lake Tanganyika

Dort, in dieser weißen Galerie, zwischen Bilderreihen und murmelnden Betrachtern, erschien mir die Fotografie als die unheimlichste aller Künste. Nur ein Augenblick, dem Lauf der Geschichte entrissen, wurde festgehalten, während der Strom der Zeit die Momente davor und danach verschwinden ließ. Nur dieser eine Augenblick wurde vom Auge der Kamera auserwählt, gerettet, der Zeit willkürlich entzogen.

Teju Cole, „Open City“

Martin Munkácsi, "Three Boys at Lake Tanganyika" (ca. 1930)
Martin Munkácsi, „Three Boys at Lake Tanganyika“ (ca. 1930)