Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen…

…Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt / Und langsam die schweren Lider senkt. / Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,

Das letzte Gold verfallener Sterne.

Georg Trakl, „Ellis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft“

Edouard Manet - Jeanne Duval, Baudelaire's Mistress, Reclining (Lady with a Fan) - 1862
Edouard Manet, „Lady with a Fan“(1862)

Die Dame mit dem Fächer war Charles Baudelaires Geliebte Jeanne Duval. Manet malte sie im Jahr ihres vermuteten Todes – 1862. Sowohl Baudelaire als auch Duval waren an Syphilis erkrankt. Es scheint ungeklärt, wer von beiden tatsächlich zuerst verstarb.

Im Zeitpunkt der Entstehung dieses Bildes war Jeanne bereits erblindet und gelähmt. Zwei schwarze Augenhöhlen, ein ungelenk unter der Krinoline hervorragendes Bein und eine unproportioniert groß und männlich wirkende Hand irritieren den Betrachter. Gleichzeitig quillt das Bild beinahe über von einem Berg aus Tüll, der wie in einem letzten Aufbäumen die Hinfälligkeit des Körpers unter sich begräbt. Halb weht es, halb liegt es kunstvoll drapiert über die Lehne des Canapés, ein zartes Gardinengespinst, dahinter das letzte Gold verfallener Sterne bereits verglüht scheint.

Aufmerksam wurde ich auf das Bild durch einen raffinierten Schnappschuss von Gueorgui Pinkhassov.

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wie vordem die Birke oder Weide den Blick hielt

 

Alexey Titarenko - Untitled - Beach 1 - 1999
Alexey Titarenko, „Untitled“ (Beach 1, aus der Serie „Time standing still“, 1999)

Behältnisse : ach welch 1 Pomp (die flüssige Schokolade und wie die Fingerspitzen noch lange riechen), ach welch 1 Jubel : 1 leerer Kofferz.B., in welchen man Flieder z.B., Fliedersträusze verpackt usw., oder die ganze Mongolei z.B., den Atlas, das welkende Mimosenbäumchen z.B., den Duft des Jasmin oder 1 Singvögelchen, Übersee, die Übungen die Etüden, die Götter des Weinens, die Tränen welche er mir weggeküszt, usw., die lieblichen Ohren der Schwester, die Morgenröte (Fuszreise der Aurora), die Küsse die vielen Küsse des Freunds und wie er über den gedeckten Tisch hinweg seine Arme streckte nach mir, die Veilchen ach Magritte’s Veilchengesicht einer Frau, das Strumpfband, die Arien der Maria Callas, die wechselnden Jahreszeiten, die Flamme des Herzens in einem Taumel der Liebe, das Rumoren des Vögelchens welches in meine Kammer sich verflogen hatte, das Adieu, das lange Adieu z.B. am Ende, das lange Adieu am Ende unseres Lebens nämlich “wie vordem die Birke oder Weide den Blick hielt“, so Elke Erb

10.7.11

Friederike Mayröcker, aus den „études“

Synchronizitäten:

Andreas Reichel, „Das Wort zum Sonntag 7“

Mirko Bonné, „Das Adieu, das lange Adieu“

En Route III

Sergey Ponomarev, "Looking out of the train carrying refugees through Macedonia, to its border with Serbia"
Sergey Ponomarev, „Looking out of the train carrying refugees through Macedonia, to its border with Serbia“

Der Schleppdampfer ist sommersprossig vor Rost. Was tut er hier, so tief im Land drinnen?
Er ist eine schwere erloschene Lampe in der Kälte.
Aber die Bäume haben wilde Farben. Signale zum anderen Ufer!
Als wollten welche geholt werden.

Auf dem Weg nach Haus sehe ich die Tintenpilze durch die Grasnarbe schießen.
Sie sind die hilfesuchenden Finger von einem,
der lange vor sich hingeschluchzt hat im Dunkeln dort unten.
Wir gehören der Erde.

Tomas Tranströmer, „Skizze im Oktober“

Hier sehr schön interpretiert von Herbert Steib.

Bildquelle: New York Times Lens Blog, „On Migrant Trail, Melding Words and Images“