Isn’t she lovely

Martin Peneder, "Dunja aus Syrien im Löschwasserregen der Freiwilligen Feuerwehr Feldkirchen a. d. Donau/Oberösterreich"
Martin Peneder, „Dunja aus Syrien im Löschwasserregen der Freiwilligen Feuerwehr Feldkirchen a. d. Donau/Oberösterreich“
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In eigener Sache

Ernst Haas, "Ohne Titel"
Ernst Haas, „Ohne Titel“

Das Netz ist für mich zu einem wesentlichen Teil ein Internet der Bilder. Dessen Flut schlägt manchmal über meinem Kopf zusammen wie ein Tsunami. In letzter Zeit war ich etliche Male kurz davor, mein Blog zu schließen. Weil ich nicht mehr wusste, ob ich damit lediglich eine Lücke fülle oder aufreiße. Der Mangel an kulturellem Leben in der kleinen Stadt, in der ich nun schon so lange gestrandet bin, erzeugt viel zu oft eine Art von Langeweile, die mich in die Flucht schlägt und in die Fänge des Netzes treibt, wo das Leben der anderen mir um vieles interessanter erscheint als mein eigenes. Ich frage mich, ob der Verlust an Realität, der damit einher geht, nicht schwerer wiegt als der Ausgleich, den ich mir damit für fehlendes eigenes Erleben schaffe. Ein Kommentar von Iris erinnerte mich an das englische Window = Windauge und daran, dass in vielen Kulturen früher beim Tod eines Menschen die Fenster geöffnet wurden, um die Seele nicht am Entweichen zu hindern. Ein Grund, weshalb Fenster auch Fluglöcher der Seele genannt wurden. Ein schönes Bild. In diesem Zusammenhang begegnete mir die Aufnahme eines niederländischen Fotografen, ein echtes Windauge, an dem ich mich heute gar nicht satt sehen konnte und zu dem mir eines meiner Lieblingsstücke nun auch nicht mehr aus dem Kopf geht: Am Fenster… Für das Stück siehe hier. Für das erwähnte Foto siehe den nachfolgenden Beitrag. Wer mag.

Cool Blue

Ohne an ein Produkt der Leuchtmittelindustrie erinnern zu wollen, ein so cooles Blau wie auf den Farbfotografien von Ernst Haas habe ich selten gesehen. Manchmal fasziniert mich eine in meinen Augen perfekte Ästhetik. Manchmal erschöpft sich der Anblick schon nach kurzer Zeit. Und plötzlich kann ich das Bild nicht mehr sehen. So geschehen mit Ingrid von Andreas Bitesnich. Ingrid war mir plötzlich zu kalt. Mit cool meine ich bei Haas aber nicht kalt, obwohl Blau auf die meisten Menschen so wirkt. Blaue Schatten auf sonnig bestrahltem Eis und Schnee rufen – insbesondere im Eisblau – ein Gefühl von Kälte hervor. Ob das jetzt auf Haas‘ Snow Lovers zutrifft? In mir erzeugt dieses Bild absolut kein Gefühl von Kälte, aber ich gebe zu, Blau ist meine Lieblingsfarbe.

In seinem Buch von der Malerei beschreibt Leonardo da Vinci Wesen und Wirkung des Blau als immateriell, keine Farbe der Luft, sondern eine metaphysische Mischung des Sonnenlichts mit der „Schwärze der Weltfinsternis“. Goethe, für den es mit Gelb und Blau nur zwei reine Farben gab, rückte das Blau auch an die Grenze zur Dunkelheit und damit dem Gelb, das sich für ihn an der Grenze zum Licht befand, diametral gegenüber.

Ich halte fest, dass mein Blauempfinden da Vincis Sicht wohl ziemlich nahekommt.

Ernst Haas, "Paris, France" (1954)
Ernst Haas, „Modern Paris“ (1954)

Blue, blue, electric blue

A picture can be an answer as well as a question but if you can’t answer your question try to question your question. There are clever questions and stupid answers as well as stupid questions and clever answers. There can be questions without answers but no answers without questions. To be or not to be – that is a question. To see or not to see – that is an answer.

Ernst Haas on „Taste and Vision“

Ernst Haas, "The Kiss" (1958)
Ernst Haas, „The Kiss“ (1958)

Looking back, I think my change into colour came quite psychologically. I will always remember the war years, including at least five bitter post-war-years, as the black and white ones, or even better, the grey years.The grey times where over. As at the beginning of a new spring, I wanted to celebrate in color the new times, filled with new hope.

Ernst Haas on „Black & White versus Color“

Ernst Haas, "Snow Lovers" (1970)
Ernst Haas, „Snow Lovers“ (1970)

Note to myself: April 12.